France Telecom will mit der Übernahme des schwedisch-finnischen Konkurrenten TeliaSonera zum viertgrößten Telekommunikations-Konzern der Welt aufsteigen. Das französische Unternehmen erklärte sich am Donnerstag bereit, rund 27,2 Mrd. Euro auf den Tisch zu legen. Davon sollen 48 Prozent in Aktien und 52 Prozent in bar gezahlt werden. Der Aufsichtsrat von TeliaSonera wies das rechtlich nicht bindende Angebot umgehend als zu niedrig zurück.

"Das Angebot entspricht wirklich nicht dem tatsächlichen Wert von TeliaSonera."

Auch der für die Privatisierung schwedischer Staatsunternehmen zuständige Finanzmarktminister Mats Odell reagierte kühl: "Das Angebot entspricht wirklich nicht dem tatsächlichen Wert von TeliaSonera." Die 2002 geschaffene TeliaSonera gehört zu 37,3 Prozent dem schwedischen und zu 13,7 Prozent dem finnischen Staat. Schweden hat sich für einen Verkauf offen erklärt. Das Unternehmen ist stark in ganz Skandinavien und den baltischen Staaten sowie in den großen Wachstumsmärkten Russland und Türkei. France Telecom will sich zwei Wochen Zeit nehmen, um die Skandinavier umzustimmen.

Der Markt reagierte verschreckt auf die Übernahmepläne: Die Aktie der France Telecom SA fiel in Paris zum Mittag um 4,6 Prozent auf 18,34 Euro. Bereits im April hatte die Aktie wegen der Erwartung eines solchen Übernahmeangebots ein Siebtel ihres Wertes verloren und die TeliaSonera-Aktie hatte angezogen. Das Angebot entspricht einem Aufschlag von 39 Prozent auf den Kurs vom 15. April vor Bekanntwerden der Pläne der Franzosen.

237 Mio. Telefonkunden weltweit

France Telecom mit der Marke Orange und TeliaSonera wären gemeinsam mit 237 Mio. Telefonkunden weltweit die Nummer vier und hätten die Marktführung in 21 Staaten. 168 Mio. Kunden würden ihren Mobilfunk nutzen und 69 Mio. die Festnetze. Außerdem wäre der Gesamtkonzern weltweit die Nummer drei der Anbieter schneller Internet-Anschlüssen. Die Franzosen erwarten aus der Fusion eine erhebliche Steigerung des Gewinns. So würde der Ertrag vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen bis 2011 jährlich im Schnitt um 2,7 Prozent zulegen. Ohne TeliaSonera erwartet France Telecom durchschnittlich ein Plus von 1,5 Prozent; der skandinavische Konzern ist deutlich rentabler als der französische.

France Telecom kommt auf rund 53 Mrd. Euro Umsatz und gehört zu 18,17 Prozent dem französischen Staat. Der Konzern hält hohe Marktanteile in Frankreich, Spanien, Großbritannien und der Schweiz sowie in Polen, Rumänien und der Slowakei. Die Märkte ergänzen sich also. Allerdings sehen viele Analysten in den Übernahmeplänen einen überholten Drang zur Größe, während die wahre Konkurrenz künftig von Internetfirmen wie Google drohe.

France Telecom hatte auch Interesse am Kauf der norwegischen Telenor. Die norwegische Regierung lehnt aber den Verkauf ihres Mehrheitsanteils ab.(APA/dpa)