Washington - Hillary Rodham Clinton hat bei ihrer gescheiterten Bewerbung um die Präsidentschaftskandidatur der Demokratischen Partei Schulden von mehr als 30 Millionen Dollar (19,5 Mio Euro) angehäuft. Darunter sind auch elf Millionen Dollar, die sie selbst ihrem Wahlkampfteam geliehen hat, wie Berater am Donnerstag erklärten. Auf der Suche nach Hilfe bei der Bewältigung dieser Schulden werde sich die frühere First Lady auch an ihren siegreichen Rivalen Barack Obama wenden, hieß es.

Clinton wollte das Ende ihrer Kampagne und ihre Unterstützung für Obama offiziell am Samstag bekanntgeben. Sie werde dabei auch Spenden für Obama sammeln, erklärte Clinton vor Geldgebern. Das Geld solle Obama und der Demokratischen Partei zugute kommen, die sich nun für den Wahlkampf mit dem Republikaner John McCain rüsten müssten. Ihre Berater schätzen, dass Clinton 50 Millionen bis 100 Millionen Dollar für den Wahlkampf sammeln kann - und es könnten deutlich mehr sein, wenn sie als seine Vizekandidatin antritt.

Großspender sehr gefragt

Clinton rief ihr Finanzkomitee am Donnerstag auf, einen anderen Gang einzulegen und Geld für Obama und die Demokratische Partei zu sammeln. Der Vorsitzende Howard Dean hat sich schon an einige Großspender von Clinton gewandt, nun bitte die Vorwahlen zu vergesessen und Obama zu unterstützen. Er habe sie gebeten, so schnell wie möglich die Kampagne von Obama zu unterstützen, sagte Steve Grossman, ein früherer Parteivorsitzender und Clinton-Anhänger.

Clintons Finanzchef Hassan Nemazee hatte zu Beginn der Woche noch für ein Team Obama-Clinton geworben und dabei darauf verwiesen, dass beide zusammen 200 Millionen bis 250 Millionen Dollar an Spenden sammeln könnten. Clinton selbst bemüht sich nach Angaben ihres Wahlkampfteams aber nicht mehr um die Kandidatur für das Amt der Vizepräsidentin unter Obama.

Privates Treffen zwischen Obama und Clinton

Clinton und der Vorwahlsieger der Demokraten, Barack Obama, haben sich indessen überraschend privat getroffen. Beide hätten darüber gesprochen, wie die Demokratische Partei nun nach den Vorwahlen wieder geeint werden könne, sagte Obama-Sprecher Robert Gibbs. Er bestätigte damit entsprechende Medienberichte über ein Zusammenkommen der beiden Senatoren. Das Treffen habe aber nicht wie berichtet in Clintons Haus in Washington stattgefunden. Den Ort oder konkrete Inhalte der Gespräche nannte der Sprecher zunächst nicht.

Bei der Besprechung seien nur die zwei Senatoren und wenige Wahlkampfhelfer anwesend gewesen, berichtete der US-Sender CNN. In der "New York Times" hieß es, dass das Treffen mit Obama von Clinton ausgegangen sei, nachdem sich zuvor ihre Berater einen Tag lang ausgetauscht hätten.

Obama zollt Clinton Respekt

Zuvor hat Obama seiner unterlegenen Rivalin Hillary Clinton Anerkennung für ihre Leistungen im Wahlkampf gezollt. "Sie hat Geschichte gemacht", sagte er bei einer Wahlkampfveranstaltung im Bundesstaat Virginia. "Dank ihr bin ich ein besserer Kandidat geworden, und sie verdient unseren Respekt und unseren Dank." Vor 25.000 Anhängern in der Stadt Bristol rief Obama die demokratische Partei zur Geschlossenheit im Präsidentschaftswahlkampf auf: "Ich weiß, dass wir nicht gespalten sein werden." Aussagen über einen möglichen Vizekandidaten machte er nicht. (APA)