Wien – „Wir sind nicht das SPÖ-Lazarett“, sagt Johannes Hahn, Wissenschaftsminister und Wiener ÖVP-Chef, „wir müssen ja auch etwas arbeiten.“ Es gehe nicht an, dass „Störenfriede aus der zweiten Reihe ständig Turbulenzen in die Regierung hineintragen“, kritisiert Hahn im STANDARD-Gespräch.

Mit „Störenfried“ meint Hahn den Wiener SPÖ-Chef und Bürgermeister Michael Häupl. Dieser sei der „Nero der SPÖ“. Häupl sitze am Rande und halte den Daumen hinauf oder hinunter. So könne man nicht arbeiten. Hahn: „Wichtig wäre, dass Gusenbauer den Spieß einmal umdreht und ein Machtwort spricht.“ Das Problem sei, dass zwischen Gusenbauer und Wilhelm Molterer eine Einigung erzielt werde, die dann hinterher infrage gestellt werde, wie bei der Pensionsautomatik geschehen.

Gusenbauer wäre zwar gut beraten gewesen, vor dieser Einigung die Chancen in seiner eigenen Partei abzuschätzen, „aber irgendwann muss man eine Entscheidung treffen. Es gibt auch die Verantwortung und das Zutrauen, dass der Parteiobmann am Ende des Tages die Entscheidung trifft“, sagt Hahn. Wenn Häupl ein Interesse daran hätte, dass die Regierung funktioniert, müsste er sie auch arbeiten lassen. Häupl hätte es selbst in der Hand, in die erste Reihe zu treten und die Dinge in die Hand zu nehmen. Hahn: „Tut er das nicht, hat er auch die moralische Legitimation verloren, ständig reinzupfuschen.“ (Michael Völker/DER STANDARD, Printausgabe, 7./8.6.2008)