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Während die einen im Rekordhöhenflug des Ölpreises das Abendrot der Ölwirtschaft sehen, machen Ölmanager Staaten verantwortlich, die der Entwicklung neuer Felder Barrieren in den Weg setzen.

Foto: dpa/Paul Buch
Mit dem Sprung von zehn Dollar pro Tag sprang der Ölpreis so hoch wie noch nie. Sparappelle und Aufrufe an Förderländer waren vorerst alles, was die G8-Energieminister dem am Sonntag entgegensetzen konnten.

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Aomori/New York/St. Petersburg – Der Sprung des Ölpreises um über zehn Dollar auf den Rekordstand von 138,54 Dollar am Freitagabend war ein passender Paukenschlag für das Treffen der Energieminister der G8 (heute ist der Ölpreis wieder leicht gesunken), der sieben größten Industriestaaten plus Russland, in Japan am Wochenende.

Die Energieminister reagierten am Sonntag auf den Preisschock mit der Vereinbarung einer "Kooperationspartnerschaft zur Energieeffizienz". Dabei sollen die wirksamsten Methoden zur Energieeinsparung international ausgetauscht werden. Immer mehr Länder würden außerdem den Nutzen der Kernenergie erkennen, erklärten die G8-Minister (siehe auch Bericht auf Seite 8).

Zuvor hatte der japanische Wirtschaftsminister Akira Amari als Gastgeber davon gesprochen, dass die Rekordpreise für Öl eine globale Rezession auslösen könnten. Die Vertreter der fünf größten Ölimportländer forderten die Produzenten auf, mehr in die Öl- und Gasförderung zu investieren.

Das Ölkartell Opec scheint naturgemäß weniger besorgt über die ständig neuen Preisrekorde. Es gebe keinen Grund für eine Sondersitzung, hieß es am Sonntag aus Opec-Kreisen in Dubai. Nicht ein Mangel an Ölreserven, sondern Barrieren beim Zugang zu neuen Feldern seien für den Höhenflug des Rohölpreises verantwortlich, erklärten indessen Top-Manager der beiden größten Öl förderer Chevron und ExxonMobil bei einem russischen Wirtschaftsforum in St. Petersburg.

Förderbarrieren

"Der Welt geht das Öl nicht aus. Das größte Risiko für die Ausweitung der Produktion ist eine Begrenzung des Zugangs zu neuen Entwicklungen", warnte Chevron-Chairman David O'Reilly. "Regierungen der Länder, die über Ressourcen verfügen, müssen uns erlauben, diese zu entwickeln", sagte ExxonMobil-CEO Rex Tillerson. Er bezog sich damit auf Venezuela und Russland, die die Nationalisierung von Öl und Gas betreiben.

China und Indien, die zusammen mit Südkorea gleichfalls am japanischen G8-Energiegipfel teilnahmen, seien zu einer stärkeren Zusammenarbeit mit der Internationalen Energieagentur (IEA) bereit, um ihre Energieeffizienz zu steigern, erklärten die G8-Minister. Allerdings gebe es keine Bereitschaft, die Subventionierung von Treibstoffpreisen einzuschränken. Dadurch fehlt ein wichtiger Anreiz für Konsumenten, weniger Sprit zu verbrauchen.

Schwacher Dollar

Die Grundlage für den größten Preissprung innerhalb eines Tages lieferte zunächst Donnerstag der weiter an Boden verlierende US-Dollar, nachdem EZB-Präsident Jean-Claude Trichet eine Steigerung des Zinssatzes aufgrund der Inflationsentwicklung in Aussicht gestellt hatte. Die Preisentwicklung wurde dann durch ein israelisches Regierungsmitglied angeheizt: Der Minister warnte davor, dass Israel den Iran angreifen könnte, wenn dieser nicht die Herstellung von atomwaffenfähigem Material einstellen würde.

Der neue Ölpreisrekord wird nicht lange Spitze bleiben, befürchtet die Investmentbank Morgan Stanley. Sie sieht den Preis für Rohöl bis zum 4. Juli bei 150 Dollar pro Fass (159 Liter): Dann würde in den USA die sommerliche Autoreisesaison losgehen. (dpa, Reuters, red, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 9.6.2008)