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Leo Beenhakker strebt mit Polen ins Viertelfinale.

Foto: Reuters
Bad Waltersdorf - Möglich, dass Leo Beenhakker am Montagabend in seinem schmucken Zimmer im schmucken Hotel Steirerhof zu Bad Waltersdorf herumgesprungen ist, angetan mit einem orangen Leiberl, das Fläschchen Amstel vom Tischchen gestoßen und "Holland, Holland" gegrölt hat. Wahrscheinlicher ist, dass sich der 65-jährige Trainer-Weise die großen Gesten nur an der Linie erlaubt und den niederländischen Triumph über Italien still genossen hat.

Der Rotterdamer, der die Elftal selbst zweimal kurz betreut hat - 1985/86 und im Frühsommer 1990 bis zum Aus im WM-Achtelfinale gegen Deutschland (1:2) - hat sich jedenfalls gefreut über den Auftritt seiner Landsleute gegen den Weltmeister. "Das war der Inbegriff des modernen Fußballs." Die Top-Favoriten auf den Titel seien die Niederländer deshalb aber noch lange nicht. "Sie können schon im nächsten Spiel wieder schlecht sein. Auch das ist der Fußball."

Und auch das, was am Donnerstag und in Wien zwischen Österreich und Polen gespielt werden wird, wird Fußball sein. Welcher Art, das traute sich Beenhakker nicht zu prophezeien. Er sei jedenfalls nicht bereit, wegen der Niederlage gegen Deutschland irgendetwas an der Route zu ändern, "auf die wir uns vor zwei Jahren, bei meinem Amtsantritt, nach langen Diskussionen festgelegt haben". Die soll mit viel Laufarbeit ins EM-Viertelfinale führen.

Auch die Spielanlage der Österreicher werde sich wegen der Niederlage gegen Kroatien schließlich nicht ändern. Beenhakker erwartet defensive Gastgeber. "Mein lieber Freund Hickersberger ist Realist", sagte der Coach der Polen am Dienstag, nachdem er seine Mannschaft in mittäglicher Hitze fast zwei Stunden gescheucht hatte. Am Nachmittag wollte er sie mit ausgewählten Szenen aus dem Kroatien-Match traktieren. Auf einzelne Gegner einzugehen, wäre dagegen Zeitverschwendung. "Oder glauben Sie, dass einer gegen einen Ballack besser spielt, wenn ich ihm vorher eine halbe Stunde über Ballack erzähle?"

Unterschätzen würde Beenhakker einen Gegner nie. Wohl weiß er, "dass die Menschen in Österreich immer noch wenig Vertrauen in ihre Mannschaft haben". Er selbst habe vom ÖFB-Team Schlechtes, aber auch Gutes ("Zum Beispiel die erste Halbzeit im Test gegen Holland") gesehen.

Wichtiger ist für Beenhakker ohnehin seine eigene Mannschaft. Und die hinkt ein wenig. Mariusz Lewandowski, einer der Besseren im Spiel gegen Deutschland, ist wegen einer Sprunggelenksverletzung höchst fraglich. "Die medizinische Abteilung arbeitet wie die Hölle. Aber derzeit sieht es nicht so aus, als ob er spielen könnte", sagte Beenhakker. Für seinen Kapitän Maciej Zurawski ist die EURO wegen einer Oberschenkelzerrung schon vorbei. Ersatzkapitän wäre Jacek Bak, aber der Austrianer ist am Knie bedient. "Spielen werden nur ganz fitte Leute."

Alles oder nichts Zum Beispiel Euzebius Smolark: "Gegen Österreich geht es um alles oder nichts", sagte der Stürmer von Santander. "Am Ende werden wir alles haben." Die Polen haben aus der Niederlage gegen Deutschland nur die positiven Eindrücke mitgenommen. "Wir waren den Deutschen zumindest läuferisch ebenbürtig", versicherte Marek Saganowksi, ebenfalls Stürmer, hauptberuflich für Southampton tätig. Das zumindest hat auch Beenhakker gesagt. Was genau das jetzt für Österreich bedeutet, sagte er nicht. (Sigi Lützow - DER STANDARD PRINTAUSGABE 11.6. 2008)