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In Kilogramm tanken statt in Litern: Erdgas als alternativer Treibstoff hat bei heimischen Flotten die Nase vorn. Es wird in Kilogrammeinheiten gerechnet, nicht in Litern wie bisher etwa Benzin und Diesel.

Foto: AP/Probst
Autofahren ist teuer geworden. "Innerhalb der vergangenen zehn Jahre haben sich die Kosten pro gefahrenen Kilometer um 32 Prozent erhöht, der Verbraucherpreisindex ist aber nur um 18 Prozent angestiegen", schildert Josef Leopold, Geschäftsführer der Leaseplan Österreich Fuhrparkmanagement GmbH. Noch nicht inkludiert sind in dieser Rechnung die Kostensteigerungen bei Treibstoffen in jüngster Zeit. Offensichtlich ist allerdings, dass sich die Kraftstoffpreise mit einer Steigerung von 99 Prozent zwischen 1997 und 2007 fast verdoppelt haben.

Neue NoVA, neue Teuerung

Aber nicht nur das bereitet dem Chef der größten unabhängigen Leasinggesellschaft hierzulande – stellvertretend für die gesamte Branche – Kopfzerbrechen. Am 1. Juli treten steuerliche Änderungen in Kraft, die das Autofahren noch einmal verteuern. Die Rede ist von der neuen Normverbrauchsabgabe (NoVA), die vorsieht, dass der Dieselpartikelfilterbonus fallen soll. Weiters wird ein Bonus-Malus-System eingeführt: Fahrzeuge mit mehr als 180 Gramm CO2-Ausstoß pro Kilometer zahlen ab dann einen Malus von 25 Euro, bei Fahrzeugen mit weniger als 120 Gramm CO2-Ausstoß gibt es dafür einen Bonus von 300 Euro. "Wir gehen davon aus, dass 75 Prozent aller relevanten Flottenfahrzeuge betroffen sein werden, davon werden 63 Prozent teurer", erklärt Leopold, dessen Firma in Österreich 21.000 Autos managt.

Die Fahrzeuge heimischer Fuhrparks werden zum Großteil mit Diesel angetrieben. Lange Zeit galt, dass, obwohl das Kfz mit höheren Anschaffungskosten verbunden war, der Treibstoff selbst, verglichen mit Benzin, günstiger sei, ebenso der Verbrauch des Autos. Das hat sich mittlerweile relativiert: Diesel ist mindestens gleich teuer wie Benzin, wenn nicht phasenweise sogar teurer. Nach wie vor kann er aber seine Vormachtstellung behaupten. Das liegt daran, dass Diesel-Pkws eine höhere Kilometerleistung bringen und einen guten Wiederverkaufswert haben. Experten rechnen damit, dass es in Zukunft zwei Trends geben wird: Die Weiterentwicklung der herkömmlichen Verbrennungmotoren und parallel dazu die alternative Antriebssysteme, wobei Ethanol- und Erdgasantriebe nur als Zwischenschritte in Richtung Brennstoffzelle angesehen werden. Seitens der öffentlichen Hand, aber auch von Konzernen wird vermehrt mit alternativen Antrieben für den Fuhrpark geliebäugelt.

Flirten mit den Alternativen

Versuchsweise werden Fahrzeuge eingesetzt, um zu sehen, wie es mit der praktischen Handhabung aussieht, wobei Erdgas die Nase vorn hat. So wird etwa der Fuhrpark der Magistratsabteilung 34, Gebäudemanagement, auf Erdgasautos umgestellt. Der Flughafen Wien hat vorerst 37 für die Flugzeugabfertigung angeschafft, geplant sind 100 Stück. Rund ein halbes Jahr lang hat die Telekom Austria vier Erdgasautos in Wien, Tirol und Oberösterreich getestet. Offenbar hat das Ergebnis überzeugt: Bald sollen zehn Erdgasautos den 3700 Kfz umfassenden Fuhrpark – die Kilometerleistung liegt bei rund 70 Millionen Kilometern jährlich – bereichern. "Nach unseren Kalkulationen sollten wir bei den Erdgasautos rund 34 Prozent Treibstoffkosten einsparen können", erklärt Brigitte Schüßler, Supply and Resource Management der Telekom, zuständig für das Fuhrparkmanagement. Hinzu kämen die niedrigen Emissionswerte: Sie produzieren praktisch keinen Feinstaub und stoßen zwischen 20 und 30 Prozent weniger CO2 aus, ein gutes Argument angesichts der kommenden NoVA.

Steuerliche Vorteile erhofft

Waren andere Technologien keine Option? Aus ökologischer Sicht wären Hybridmotoren sicherlich interessant, meint Schüßler, aber gerade bei Nutzfahrzeugen gäbe es noch eine zu geringe Auswahl. "Hybridmotoren eignen sich außerdem eher für den städtischen Nahverkehr." Betreffend Ethanol sei sie eher skeptisch, wurden Biotreibstoffe in den letzten Monaten doch eher kontrovers diskutiert, "da liegen einfach noch zu wenige Erkenntnisse auf dem Tisch." Erdgasfahrzeuge entsprächen den Anforderungen am besten, auch wenn bei der Planung zu berücksichtigen sei, dass "dem günstigeren Betrieb höhere Anschaffungs- und Wartungskosten gegenüberstehen", wie Schüßler einräumt. Josef Leopold schätzt, dass Erdgasautos kurzfristig den höchsten Anteil an den alternativen Antrieben haben werden – vor allem aufgrund der steuerlichen Besserstellung.

Die Zahlen deuten zumindest einen Trend an: Seit Anfang 2007 hat sich Anzahl der Erdgastankstellen von 36 auf 100 fast verdreifacht. Seit Jahresbeginn waren bereits 2350 Erdgasautos auf Österreichs Straßen zugelassen – 50 Prozent mehr als noch ein Jahr davor. (Markus Böhm, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 14.6.2008)