Dass sich der ORF-Sport mit den Soft-Themen in der Berichterstattung rund um die EURO noch ein bisserl schwerer tut als bei der Moderation der Spiele an sich, zeigt sich in den Aufwärmsendungen vor der Übertragung des ersten Spiels jeden Nachmittag, dem sogenannten Countdown.

In einem Spezial über russische Fans in Innsbruck (vor dem Match gegen Spanien) wurden neben Aha-Informationen hauptsächlich Klischees strapaziert. Neben einer "erchten" (Tirolerisch) Russin, die in ihrem Geschäft "erchten" (russisches Deutsch) russischen Wodka verkauft, glänzte der Bericht vor allem ob seiner Einblicke ins Nachtleben, das offenbar nur für geile Neureiche ausgerichtet wurde: mit millionenteuren Oldtimern – und Frauen.

Nun muss man nicht moralinsauer beklagen, dass man am Nachmittag eine zumindest halbnackte Frau im ORF zeigt. Dass diese aber an einer Stange zu sehen war, die ihr sehr wahrscheinlich als Arbeitsgerät dient und dieses für den Fußball wahnsinnig wichtige Bild mit "Hier steppt der russische Bär" kommentiert wurde, ist leider wieder einmal typisch prolliger ORF-Sport-Sexismus.

Wir erinnern uns: Auch beim Wien-Marathon konnten es sich die klassen Sportsburschn vom Küniglberg nicht verkneifen, laufenden Damen unnötig lang auf die Hinteransicht zu filmen und dabei etwa "You Sexy Thing" von Hot Chocolate zu spielen, weil: urlustig!

Franz Schuh hat einmal in einem berühmt gewordenen Satz die Mitarbeiter von Ö3 beleidigt. Möglicherweise irrte da der Meister und hat eigentlich den ORF-Sport gemeint. (flu/DER STANDARD; Printausgabe, 12.6.2008)