Der deutsche Innenminister Wolfgang Schäuble (CDU) ist nach Angaben von Koalitionspolitikern mit dem Plan gescheitert, Abdrücke beider Zeigefinger in jedem neuen Personalausweis speichern zu lassen. Dies solle nur auf Wunsch geschehen, eine Speicherpflicht werde es nicht geben, berichtete die "Neue Osnabrücker Zeitung" am Donnerstag unter Berufung auf Innenexperten von Union und SPD.

Der europäische Personalausweis im Scheckkartenformat soll voraussichtlich Ende 2009 eingeführt werden. Schäuble plante, dort wie beim neuen Reisepass beide Zeigefinger speichern zu lassen.

Der innenpolitische Sprecher der Unionsfraktion, Hans-Peter Uhl (CSU), sagte der "NOZ": "Es läuft darauf hinaus, dass der Bürger selbst entscheiden kann, ob er seine Fingerabdrücke abgibt oder nicht." Auf dieses Optionsmodell hätten sich Schäuble und Deutschlands Justizministerin Brigitte Zypries (SPD) geeinigt. Die von der Union favorisierte verbindliche Speicherung der Abdrücke im Personalausweis sei mit der SPD leider nicht zu machen, sagte Uhl.

SPD-Fraktionsvize Fritz Rudolf Körper sagte: "Ein freiwilliger Ausweis mit Fingerabdrücken ist für uns ein gangbarer Weg." Durch das Optionsmodell ließen sich die Ängste in der Bevölkerung vor einem Überwachungsstaat zerstreuen. Der SPD-Innenexperte Sebastian Edathy argumentierte: "Ein Dokument mit biometrischen Merkmalen wäre für den Bürger teurer als der bisherige Ausweis, brächte aber keinen Sicherheitsgewinn."

Schäuble strebte mit dem neuen Ausweis auch eine elektronische Identifizierungsfunktion an, damit sich die Bürger im Internet ausweisen können. Das Kabinett soll sich im Juli mit den Plänen befassen.(APA)