Bild nicht mehr verfügbar.

Foto: REUTERS/Xavier Lhospice
Wien/London - Durchaus möglich, aber noch nicht bewiesen, dass es in einigen Jahren eine Impfung gegen die Reisedarrhoe durch E.coli (Escherichia coli)-Infektionen gibt. Die Untersuchung wurde heute online von der angesehenen britischen Medizin-Facheitschrift "The Lancet" publiziert.

Millionen sterben

In den Staaten der Dritten und Vierten Welt erkranken pro Jahr 210 Millionen Kinder, etwa 350.000 sterben infolge dieser bakteriellen Darmerkrankung - vor allem am massiven Flüssigkeits- und Elektrolytverlust. Während eine Impfung gegen E. coli-Stämme (ETEC), die im Darm Toxine freisetzen, für Fernreisende angenehm wäre, wäre für die ortsansässige Bevölkerung ein zum Teil lebensrettender Segen.

Der Terminus "Reisediarrhoe" als Folge einer E. coli-Infektion ist hingegen ein Privileg, das die Menschen in den Industrieländern betrifft.

Antigene durch die Haut

Dem US-Unternehmen Iomai ist es jedenfalls gelungen, das hitze-labile Toxin von ETEC-Bakterien in ein Pflaster zu verpacken, das die Antigene durch die Haut abgibt. Bei zwei Teilimpfungen muss ein solches Applikationssystem nur jeweils ein paar Stunden getragen werden.

Teilimpfungen ab drei Wochen vor Abreise

In die Phase-II-Studie wurden 178 Probanden im Alter von 18 bis 64 Jahren aus den USA aufgenommen, die nach Mexiko oder nach Guatemala reisen wollten. 111 Personen erhielten Placebo-Pflaster ohne Antigene, 59 hingegen die echten Impf-Pflaster. Die beiden Teilimpfungen erfolgten drei beziehungsweise eine Woche vor der Abreise.

Keine echte Wirksamkeitsstudie

Die Ergebnisse - es handelt sich allerdings noch nicht um eine echte Wirksamkeitsstudie, für die wesentlich mehr Probanden notwendig wären - zeigen in eine positive Richtung: Die Daten von 170 Testpersonen wurden analysiert. Von den 59 Probanden, welche die echten Pflaster bekommen hatten, erkrankten nur drei an ETEC-Infektionen, hingegen 24 (22 Prozent) der Placebo-Probanden.

Schutzrate auf 75 Prozent geschätzt

Die Schutzrate gegen moderate bis schwere Diarrhoe wurde daraus auf rund 75 Prozent geschätzt, jene gegen schwere Durchfallerkrankungen auf 84 Prozent. Möglicherweise reduziert das Pflaster auch die Dauer einer Erkrankung.

Jetzt soll eine größere Studie in Mexiko und Guatemala selbst auf die Beine gestellt werden, um eine tatsächliche Schutzrate zu evaluieren. (APA)