Foto: TiB
In Europa ist zurzeit die patriotische Party angesagt. Was liegt für das Theater im Bahnhof (TiB) näher, als mit der Schweizer Kompanie 400asa mit Witz und Intelligenz gegen die inszenierte Erregung aus dem Geiste der Politik, Polizei und Eventkultur anzuspielen?

Ein schweizerisch-österreichisches Autoren- und Regieteam ließ sich dabei von Blake Edwards inspirieren, bei dem Peter Sellers als indischer Komparse Hrundi V. Bakshi eine psychedelische Hollywood-Fete ins Chaos stürzt. Beim TiB landen Bakshi (kongenial: Kaspar Weiss) und das Starlet Monet aus Blakes Film auf einem Event der europäischen Sozialdemokratie, inszeniert von einem gewissen Ingvar Kampsted. Wer da statt an André Heller an Ikea denkt, liegt auch nicht falsch, denn die Texte der dreiteiligen Performance bilden ein schwindelerregendes Vexierbild aus Bezügen zu Kunst, Gesellschaft und Sozialdemokratie, unterfüttert von Plattitüden politischer Rhetorik.

Die Zuschauer sind die Gäste der Party, ihre "Rolle" tragen sie als Nummer angesteckt. Über einen Audioguide (rechtzeitig abholen!) erfährt man seine fiktive Identität. Während man lauscht und schaut und von Gast zu Gast zappt, brillieren Pia Hierzegger, Lorenz Kabas und Philippe Graber in einem skurrilen Geflecht aus Reden, Diskussionen und Interviews. Immer gefolgt von Bakshis freundlicher Verwüstungsspur.

Die Party-Paraphrase erschöpft sich keineswegs im Slapstick. Schon im Vorspiel auf der Straße, wo wie immer Radfahrer und Passanten ohne Gage mitspielen, ist die Elektroschockpistole der Polizei im Einsatz. Und als dem sanften Bakshi von den Staatsvertretern ein Taser als Abschiedsgeschenk aufgezwungen wird, ist Schluss mit lustig. Europa will Fußball schauen, sich feiern, heim nach Kaschmir mit dem Inder. (frak / DER STANDARD, Print-Ausgabe, 13.6.2008)