Wann ist ein Thema emotionsgeladen? These: wenn man es beim Namen nennt und dabei ein Kribbeln im Magen spürt. Sagen Sie einmal laut (oder leise, ganz egal) "Politik". Und? Spüren Sie etwas? - Wir auch nicht. Fazit: kein emotionsgeladenes Thema.

Zu allgemein? Okay: "Molterer". Und? Eben. Nichts. - Kein emotionsgeladenes Thema. "Molterer" war eines der schlechtesten Beispiele überhaupt? Okay: "Gusenbauer". Und? Nein, nein, das war kein Kribbeln im Magen, das war ein Jucken im Hals, allenfalls ein Zucken in der Schulter. Fazit: kein emotionsgeladenes Thema.

"Fußball." - Ja, natürlich, wer, wenn nicht er? Wann, wenn nicht jetzt, da er den Juni gepachtet, die Kultur verräumt, die Natur verpfiffen, die Autos beflaggt hat, da er nicht müde wird, Biermeilen zu befahnen, Baumaschinen zu übergrölen und den Harnsäuregehalt des städtischen Erdreichs an die Spitze zu treiben. Fazit: ein emotionsgeladenes Thema. Und jetzt probieren Sie "Fußball und Frauen". Und? Spüren Sie das Kribbeln im Magen? Mehr? Ein Beben im Bauch? Sind Sie einer dieser Männer? Reizt es Sie, weiterzumachen? Abseitsregel? Fesche Italiener? - Tun Sie es nicht! (DANIEL GLATTAUER, DER STANDARD, Printausgabe, Samstag, 14. Juni 2008)