Wien/St. Pölten - Weil er so schnuckelig aussieht und jeder einmal einen Teddy daheim hatte, ist der Braunbär allseits beliebt: "Niederösterreich ist grundsätzlich bärenfreundlich", sagt der zuständige Agrar- und Naturschutzlandesrat Josef Plank im Gespräch mit dem Standard. Er hängt aber ein großes "Aber" an: "Bevor wir ein Projekt zur Wiederansiedelung unterstützen, würden wir gerne die Gründe sehen, warum der Bestand überhaupt so stark geschrumpft ist."

Nach Auswilderungsaktionen in den vergangenen Jahren hat es Aufzeichnungen von Wildtierbiologen zufolge zeitweise 35 Bären in Österreich gegeben - inzwischen dürfte es nur mehr zwei Exemplare ("Djuro" und "Moritz") geben. Ursache: unbekannt. "Da wird implizit unterstellt, dass da die Jäger schuld sind, was völlig unbewiesen ist", sagt Plank. Ohne Zustimmung von Jagd und Grundbesitzern ist für ihn ein Auswildern von neuen Bären (die für gutes Geld in Slowenien gefangen werden könnten) undenkbar.

In seiner Haltung wird Plank durch den Präsidenten des Umweltdachverbands, Gerhard Heilingbrunner, unterstützt: "Lassen Sie sich keinen Bären aufbinden: Der Bär ist ausgestorben - und im Naturschutz müsste es andere Prioritäten geben. Schließlich sind in Österreich 50 Wirbeltierarten vom Aussterben bedroht. Dieses Aussterben zu verhindern wäre die erste Priorität."

Auf der Liste stehen Ährenmaus und Ziesel, Großtrappe und Wiesenotter sowie eine ganze Reihe von Fledermausarten. Heilingbrunner fürchtet, dass spektakuläre Projekte mit importierten Bären die Aufmerksamkeit und die Gelder für die tatsächlich noch zu schützenden Tierarten abziehen und warnt vor einer "Alibipolitik".

Diese wäre darüber hinaus rechtswidrig. Denn die IUCN, die internationale Dachorganisation für Natur- und Artenschutz, schreibt explizit vor, dass vor der Neuansiedelung einer ausgestorbenen Art gründlich geprüft werden müsse, warum diese überhaupt verschwunden ist - erst wenn diese Ursachen beseitigt sind, würde eine Wiederansiedlung Erfolg versprechen.

Mit dem Projekt, nun zehn neue Bären fangen zu lassen, werde Geld verschwendet. Ob dieses Projekt überhaupt zustande kommt, ist allerdings insgesamt fraglich: Bisher hat nur das Land Oberösterreich Unterstützung zugesagt - unter der Bedingung, dass die anderen Länder mitmachen. (Conrad Seidl/DER STANDARD Printausgabe, 14./15.6.2008)