Goz Beïda/Nairobi – Mehr als drei Monate nach ihrer Stationierung im Tschad ist die EU-Eingreiftruppe Eufor im Osten des Landes erstmals unter Beschuss geraten. An dem Einsatz sind mehr als 150 Soldaten des Bundesheers beteiligt, die aber nicht betroffen waren.

"Rebellen haben Samstagmittag gegen halb eins die Stadt Goz Beïda angegriffen", bestätigte der Sprecher des irischen Kontingents, Gavin Young. Mehrere Lager rund um Goz Beïda, nur 70 Kilometer von der Grenze zu Darfur entfernt, sind Heimat für 15.000 Flüchtlinge aus der sudanesischen Krisenprovinz, für deren Sicherheit Eufor sorgen soll. Als die Rebellen sich Gefechte mit der tschadischen Armee lieferten, wurden auch die irischen Truppen beschossen. "Wir wissen nicht, wer geschossen hat", so Young. Die Iren hätten mit Warnschüssen reagiert.

"Es ist kein irischer Soldat verletzt worden, alle unsere Fahrzeuge sind unbeschädigt." Augenzeugen berichteten von heftigen Gefechten. Das Feuer von Maschinengewehren und schwerer Artillerie sei stundenlang zu hören gewesen, über der Stadt sei schwarzer Rauch aufgestiegen. Die tschadische Armee setzte Kampfhubschrauber ein.

Ärzte bestätigten, mindestens 24 Bewohner von Goz Beïda seien bei den Gefechten verletzt worden. Mehrere Quartiere von Hilfsorganisationen wurden geplündert. Unklar war, ob die Rebellen am Sonntag immer noch die Kontrolle über Goz Beïda hatten.

"Im österreichischen Kontingent ist alles ruhig, wir beobachten die Lage aber natürlich sehr genau", erklärte Bundesheer-Sprecher Wolfgang Schneider am Sonntag dem Standard. Kein Österreicher sei an den Kämpfen beteiligt gewesen. Die österreichischen Soldaten sind in N’Djamena und der größten Stadt im Osten Tschads, Abéché, stationiert. "Nach meinem Wissen ist derzeit niemand von uns in Goz Beïda."

Ein Rebellensprecher bestätigte, dass es am Sonntag keine neuen Kämpfe gegeben habe. „Wir sind ständig in Bewegung und haben uns in mehrere Gruppen aufgeteilt, aber wir sind immer noch im Ost-Tschad“, sagte der Führer der Nationalen Allianz, Mahamat Nouri. Ziel der Rebellen sei es, die Hauptstadt N’Djamena zu erreichen und Präsident Idriss Déby zu stürzen. Ein weiterer Rebellensprecher, Ali Gueddei, erklärte, mehrere Einheiten der Rebellen hätten sich nicht weit von Goz Beïda entfernt an die Grenze zu Darfur zurückgezogen, befänden sich aber noch auf tschadischem Boden.

Unbestätigten Berichten zufolge standen andere Rebelleneinheiten unmittelbar vor Abéché. Den vom Sudan unterstützten Rebellen war es zuletzt im Februar gelungen, bis in die Hauptstadt N’Djamena vorzustoßen. (Marc Engelhardt/ DER STANDARD Printausgabe, 16.6.2008)