Wien – "Wir empfehlen allen, diese Zeit der Vorregistrierung unbedingt zu nutzen", sagt Wolfgang Eichhoff, Obmann des Fachverbands der chemischen Industrie (FCIO). Er bezieht sich dabei auf das EU-Chemikalienrecht Reach, das künftig regeln wird, wie innerhalb der EU Chemikalien getestet und registriert werden.

Wenn man die Frist versäumt, hat dies nämlich weitreichende Auswirkungen, erläutert Eichhoff. Nicht vorregistrierte Substanzen dürfen nach Ende der Frist, konkret ab dem 1. Dezember 2008, nicht mehr verwendet werden.

30.000 Substanzen

Die Chemieindustrie sieht die EU-Chemikalienverordnung, die nach mehr als zwanzig Jahren Verhandlungen – und einigen Abstrichen – nun implementiert wurde, weitreichende Änderungen auf die Branche zukommen. Reach umfasst alle chemischen Substanzen, die in Mengen von mehr als einer Tonne pro Jahr hergestellt oder in die EU importiert werden. Dies betrifft mehr als 30.000 Substanzen, wird erwartet.

Erst nach der Phase der Vorregistrierung werden die Stoffe auf ihre Auswirkungen auf Gesundheit und Umwelt bewertet, und zwar von der extra dafür im finnischen Helsinki installierten Agentur namens Echa. Für diese Registrierung ist dann allerdings elf Jahre Zeit, in der die Hersteller Sicherheitsdaten liefern und potenzielle Umwelt- oder Gesundheitsrisiken beschreiben müssen.

Begeistert war die Chemieindustrie von diesem Vorhaben ja nie besonders. "Es gibt Untersuchungen, dass dies alleine die österreichische Branche 50 bis 100 Millionen Euro im Jahr kosten wird", erklärt Eichhoff die Ablehnung, die "natürlich" zu Wettbewerbsnachteilen europäischer Unternehmen führen werde. "Schließlich kommen Produkte weiterhin als Fertigware nach Europa."

Das größere Problem aber seien die Prüfungen, "die sehr teuer werden" und von den Firmen selbst getragen werden müssen. Sicherlich würden Chemikalien vom Markt verschwinden, und zwar nicht, weil sie gefährlich sind, sondern aus ökonomischen Gründen. Und auch Substitutionsstoffe hätten Auswirkungen, betont Obmann Eichhoff.

Wissens-Pool

Allerdings wird anerkannt, dass durch das Reach-Vorhaben enormes Wissen angehäuft wird. Durch die einheitliche Informationsgrundlage und Risikobewertung für Chemikalien werde es möglich, potenzielle Risiken besser handzuhaben und beispielsweise unnötige Tierversuche vermeiden zu können. (Johanna Ruzicka, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 16.6.2008)