Bild nicht mehr verfügbar.

Die G8 warnen vor den Folgen der Preisexplosion bei Öl und drängen die Ölförderländer dazu, ihre Produktion zu steigern.

Foto: AP/Hasan Jamali
Osaka - Die G8-Finanzminister haben vor drastischen Folgen der jüngsten Preisexplosion bei Rohöl und Nahrungsmitteln gewarnt. Die hohen Rohstoffpreise stellten eine ernste Bedrohung für das Wachstum der Weltwirtschaft dar, erklärten die Minister der sieben führenden Industrienationen und Russlands (G8) am Wochenende zum Abschluss ihrer zweitägigen Beratungen im japanischen Osaka.

In ihrer abschließenden Erklärung hieß es, die Rekordjagd der Preise habe gravierende Auswirkungen für die Ärmsten der Welt. Ungewöhnlich deutlich machte die G8 erstmals auch Finanzspekulanten für die Rekordwerte der Rohstoffpreise mitverantwortlich. Die Minister drängten die Ölförderländer einhellig dazu, ihre Produktion zu steigern. Saudi-Arabien plant laut einem Zeitungsbericht inzwischen genau diesen Schritt.

***

Osaka - "Für eine lange Zeit genoss die Weltwirtschaft eine Kombination aus robusten Wachstum und niedriger Inflation, aber nun hat sie Gegenwind", warnten die Finanzminister der führenden sieben Industrieländer und Russlands (G8) am Wochenende in der Abschlusserklärung ihrer Tagung in Osaka.

Besonders hohe Preise für Öl und Lebensmittel stellten "eine ernste Herausforderung für das stabile Wachstum weltweit dar, wir werden wachsam bleiben und einzeln und gemeinsam angemessene Aktionen ergreifen, um Stabilität und Wachstum unserer Volkswirtschaften wie der Weltwirtschaft sicherzustellen", so die Minister. Ungewöhnlich deutlich machten sie erstmals auch Finanzspekulanten für die Rekordjagd der Rohstoffpreise mitverantwortlich. Das Preisniveau spiegle zwar Versorgungsengpässe wider, "aber geopolitische Sorgen und finanzielle Faktoren spielen auch eine Rolle", so die Finanzminister.

Die harten Töne unterstreichen, dass die Regierungen weltweit mit Hochdruck nach Mitteln gegen den rasanten Anstieg der Rohstoffpreise suchen. Denn bei einem Rohölpreis von fast 140 Dollar pro Fass droht weltweit den Volkswirtschaften die Puste auszugehen. Gleichzeitig haben steigende Lebensmittelpreise in einigen Entwicklungsländern schon zu Krawallen geführt. Und ein massiver Butterengpass im reichen Japan zeigt, dass auch die Industrienationen nicht mehr immun gegen die Folgen der Krise sind.

Drohung

Die G8-Finanzminister scheuten sich dann auch nicht, Finanzspekulanten zu drohen. So forderten sie die Staatengemeinschaft auf, Termingeschäfte an den Rohstoffmärkte zu überwachen. Außerdem gaben sie dem Internationalen Währungsfonds und der Internationalen Energieagentur IEA den Auftrag, bis zur nächsten Jahrestagung die Ursachen für den Preissprung von rund 500 Prozent in fünf Jahren zu untersuchen.

Um den Versorgungsengpass zu beseitigen, drängten sie die erdölproduzierenden Länder, das Rohölangebot zu erhöhen, und die Welt, die Nachfrage zu senken. Als einen Beitrag sehen die Finanzminister, wie auf dem G8-Gipfel 2006 beschlossen, die Förderung nichtfossiler Energieträger. "Diese Anstrengungen helfen auch, das Problem des Klimawandels anzugehen", versprechen die Minister.

Was die Forderung genau bedeutet, rechnete die IEA für das kommende G8-Gipfeltreffen Anfang Juli vor. In ihren "Energietechnischen Perspektiven" forderte sie nichts weniger als eine "Revolution der Energieproduktion", um die Kohlendioxidemission bis 2050 zu halbieren. Die Länder müssten Energie sparen, alternative Energien fördern und Atomkraft in Atem beraubenden Tempo ausbauen, um Wachstum und Klimaschutz in Einklang zu bringen. Die IEA hält den Bau von 32 Atomkraftwerken jährlich für notwendig.

Die Finanzminister versprachen in einem ersten Schritt derweil, neue Fonds der entwickelten Nationen zu unterstützen, die künftig den Transfer energiesparender Techniken von Industrie- in Entwicklungsländer finanzieren. Gleichzeitig deuten sie eine Wende bei Biobenzin an. Die G8-Länder wollen nicht länger die Verwendung von Getreide für die Ölgewinnung fördern. Denn dadurch wird die Lebensmittelknappheit noch verschärft. Stattdessen wollen sie die Forschung auf die Verwendung von Biomasse aus der Land- und Forstwirtschaft konzentrieren. (Martin Kölling, Osaka, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 16.6.2008)