Die Finanzkrise scheint so gut wie überwunden, da mausert sich die Inflation zum Nachfolge-Gespenst, das der Wirtschaft das Fürchten lehrt. Bei einer Teuerung von 3,7 Prozent im Euro-Schnitt sowie in Österreich bleibt den Konsumenten weniger zum Ausgeben, womit der chronisch schwache Konsum in Europa bestenfalls noch stagnieren dürfte. Irgendwie klar: Wenn kaum ersetzbare Bedarfsgüter wie Lebensmittel und Benzin Preissteigerungen von teilweise über 40 Prozent aufweisen, muss anderweitig gespart werden.

Doch das Schlimmste kommt noch: Der Europäischen Zentralbank wird - nimmt sie ihren Auftrag zur Herstellung der Geldwertstabilität ernst (woran niemand zweifelt) - nicht anderes übrigbleiben, als an der Zinsschraube zu drehen. Das erhöht die Kreditkosten und dämpft somit die Investitionstätigkeit ebenso wie den ohnehin schwachen Konsum.

Alternativen dazu gibt es freilich keine: Ohne gegenzusteuern, würden die Unternehmen im Glauben gelassen, dass sie ihre Preise munter weiter erhöhen können. Denn bis dato wurden höhere Rohstoffpreise locker auf die Kunden übergewälzt. Den Gewerkschaften würden die Währungshüter signalisieren, dass sie die Teuerung als Anlass für massive Lohnforderungen heranziehen können. Das wäre zwar im Sinne der Sicherung der Realeinkommen wünschenswert, hätte aber angesichts der flauen Konjunktur verheerende Auswirkungen auf die Unternehmen. Der drohende Jobabbau würde nur noch rascher und umfassender ausfallen.

Die EZB muss in dieser Phase Gewehr bei Fuß stehen - und zumindest die Angst vor Gespenstern nehmen. (Andreas Schnauder, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 17.6.2008)