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Grafik: Archiv
Druckereien müssen um Milliardenaufträge zittern. Weil mehr und mehr Urlaubshungrige ihre Reiseentscheidung via Internet treffen, werden die in die zig Millionen gehenden Auflagen an Reisekatalogen bald Geschichte sein. Davon ist der Geschäftsführer und Mitgründer der Hoteldatenbank Giata , Remzi Aru, überzeugt. "Der gedruckte Katalog wandert ins Internet," sagte der gebürtige Türke bei einem Lokalaugenschein des Standard am Sitz des Unternehmens in Berlin. Reduktion Das bedeute nicht automatisch weniger Papier. Das liege zum einen an den Reisebüros, die künftig noch viel individueller auf Kundenwünsche eingehen und "Kleinkataloge" ausdrucken könnten. Das liege aber auch an den Möglichkeiten zu Hause, Angebote samt Fotos vom Traumhotel per Mausklick auf Papier zu bringen. Entwicklung Giata steht für Gesellschaft zur Entwicklung und Vermarktung interaktiver Tourismusanwendungen. Das Unternehmen, an dem das Reservierungssystem Sabre beteiligt ist, verantwortet den überwiegenden Teil der Texte, die auf Reiseportalen wie Expedia oder Websites von Reiseveranstaltern wie Tui zu finden sind. Den Marktanteil im deutschsprachigen Raum schätzt Aru auf "90 bis 95 Prozent". 60 der rund 150 Mitarbeiter sind mit der Übersetzung von Texten in andere Sprachen beschäftigt. Travel Technologiepartner von Giata ist Traveltainment (TT). Die 170 Mitarbeiter zählende Softwareschmiede nahe Aachen ist 2006 vom Flugreservierungsspezialisten Amadeus gekauft worden. Das Unternehmen erstellt und hostet komplette Reisewebseiten für Portalbetreiber und Veranstalter. Wachsender Markt "Wir wachsen zwischen 45 und 50 Prozent pro Jahr", sagte Geschäftsführer Michael Kalt. Der Online-Buchungsumsatz auf der Vertriebsplattform TT-IBE sei von 680 Mio. 2006 auf eine Mrd. Euro 2007 gestiegen. Heuer sollten es 1,45 Mrd. Euro werden. Zum Vergleich: Der gesamte Flugpauschalreisemarkt in Deutschland wird auf zehn bis zwölf Milliarden Euro geschätzt.

In Österreich seien die Online-Umsätze von 45 Mio. (2006) auf zuletzt gut 50 Mio. Euro gestiegen. Dazu seien noch Umsätze zu addieren, die Österreicher auf ausländischen Websites generieren, und solche, die über die Reisebüroplattform Bistro Portal gemacht werden. (Günther Strobl / DER STANDARD Printausgabe, 17.06.2008)