Bild nicht mehr verfügbar.

Foto: APA/dpa/Arne Dedert
Wer daheim bleibt, darf sich entspannen, auch wenn das vergleichsweise wenige tun: Denn ins Ausland wagt sich heuer voraussichtlich jeder Vierte. Wer eine Reise ans Meer plant sollte hingegen an die Hepatitis A Impfung denken. Eine Durchimpfung der gesamten Bevölkerung forciert der Reisemediziner Helmut Mittermayer aber nicht.

Reiseassoziierte virusbedingte Leberentzündung

"Nicht-importierte Hepatitis A-Fälle sind in Österreich heute sehr selten", erklärt der Leiter des Institutes für Hygiene, Mikrobiologie und Tropenmedizin am Krankenhaus der Elisabethinen in Linz und bezeichnet diese virusbedingte Form einer Leberentzündung als vorwiegend reiseassoziiert. Deshalb empfielt er die Impfung selektiv.

Ansteckende Viren im Stuhl

Das Problem der Hepatitis A sind Fäkalien, denn das ansteckende Virus ist im Stuhl. Der hohe hygienische Standard ist der Grund, warum sich in Österreich die Erkrankung so gut wie gar nicht mehr verbreitet. Konkret trifft es im Wesentlichen nur mehr Personengruppen die mit der Entsorgung von Fäkalien oder Müll beschäftigt sind oder aber in diversen Pflegeeinrichtungen wiederholt mit Stuhl in Kontakt kommen.

Trinkwasser, Essen oder die Toilettenspülung

Die "Reisehepatitis" trägt ihren Namen also zu Recht, denn die überwiegende Zahl Betroffener erwirbt sich die Entzündung der Leber während eines Aufenthaltes im Ausland. Mangelnde Hygiene birgt die große Gefahr. In vielen Mittelmeerländern, Asien und Südamerika ist gesund urlauben gar nicht so leicht. Die Crux liegt im Essen und Trinkwasser, das oft mit Fäkalien verseucht ist. Manchmal reicht schon die Berührung eines kontaminierten Gegenstandes wie Toilettenspülung oder Wasserhahn aus, um sich anzustecken.

Dramatischer Verlauf: Leberversagen

"Ab dem 50. Lebensjahr steigt das Risiko eines fulminanten Leberversagens sprunghaft an", erklärt Mittermayer und fällt gleich mit der Tür ins Haus. Tod oder Transplantation sind bei der schwerwiegendsten Komplikation einer Hepatitis A die möglichen Alternativen. Nur selten gewinnen Patienten dann ihre Leberfunktion wieder zurück. Glücklicherweise entspricht diese dramatische Verlauf einer Hepatitis A jedoch nicht der übliche, heilbaren Norm.

Nicht chronische, harmlose Leberentzündung

Die sieht nämlich anders aus: Die Hepatitis A ist eine lästige aber meist harmlose Leberentzündung. Wochenlang setzen Müdigkeit, Gelbsucht und Appetitlosigkeit zwar außer Gefecht, bei komplikationslosem Verlauf ist eine Heilung garantiert. Ursächliche Therapie gibt es keine, behandelt wird nur symptomatisch. Ein weiterer Pluspunkt verglichen mit einer Hepatitis B oder C: Sie verläuft niemals chronisch.

Bei Kindern häufig unentdeckt

Je jünger, desto weniger Beschwerden macht die Erkrankung. Nicht selten bleibt eine Hepatitis A bei Kindern sogar vollkommen unentdeckt, denn der wichtigste Hinweis fehlt: Die Gelbsucht, von Medizinern auch Ikterus genannt. "Zeigen sich bei einer Blutuntersuchung erhöhte Leberenzyme, dann wird man hellhörig", so Mittermayer und ordnet für den Fall sofort eine virologische Untersuchung an. Denn beweisend für eine Infektion sind nur Antikörper gegen das Hepatitis A Virus.

Kinder vor Reise impfen

Ganz vom Tisch kehren will Mittermayer die Kinder nicht, den Wunsch nach einer Inkludierung der Hepatitis A Impfung in das Kinderimpfschema teilt er: "Die Symptome nach der Infektion sind das kleinere Übel, das weit größere bleibt, die Kinder werden dabei selbst zu Streuquellen", so der Experte. Daher empfiehlt er Kinder jedenfalls zu impfen, wenn eine Reise geplant ist.

Aktiver Impfstoff für lebenslange Immunität

Geimpft wird aktiv, was bedeutet der Impfstoff ist das abgetötete Virus selbst. Im Abstand von 6-12 Monaten wird das Serum zweimal in den Muskel gespritzt. "Ziemlich sicher hinterlässt die Hepatitis A- Impfung lebenslange Immunität", erzählt der Reisemediziner Mittermayer und motiviert mit diesem Argument wohl so manchen zur Impfung. Derzeit wird noch eine Auffrischung alles zehn Jahre empfohlen. Wer unsicher ist, kann sein Blut jederzeit auf Antikörper untersuchen lassen. (phr)