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Zum Warnstreiks kam es am Dienstag unter anderem beim Autohersteller Daimler.

Foto: AP/Thomas Kienzle
Stuttgart - In Baden-Württemberg, Nordrhein-Westfalen und im Bezirk Küste kam es am Dienstag zu kurzfristigen Arbeitsniederlegungen der Metallarbeiter. Mitarbeiter von Daimler und Bosch waren deutschlandweit an allen Standorten zu Protesten aufgerufen. Gewerkschaftschef Berthold Huber drohte mit einer Ausweitung der Proteste. Die Gespräche im Pilotbezirk Baden-Württemberg gehen am (morgigen) Mittwoch weiter.

Huber sagte bei einer Kundgebung im baden-württembergischen Crailsheim, bisher seien über 120.000 Beschäftigte im Warnstreik gewesen. "Ich kann den Arbeitgebern garantieren, es werden noch mehr". Denn mit Sturheit und ideologischer Verblendung würden sie bei den Metallern auf Granit beißen. Er forderte den regionalen Arbeitgeberverband Südwestmetall zur Vorlage eines verbesserten Angebots auf. "Wir wissen, wer mit seiner tagtäglichen Arbeit in Werkshallen und Büros den Umsatz steigert und den Gewinn vermehrt."

In Norddeutschland folgten mehrere tausend Beschäftigte in zahlreichen Betriebe dem Aufruf und legten ihre Arbeit nieder. In Bremen nahmen laut Gewerkschaft mehr als 5.000 Beschäftigte von Daimler und anderen Unternehmen an dem Warnstreik teil. Bei einer Kundgebung wies die IG-Metall-Bezirksleiterin Küste, Jutta Blankau, darauf hin, dass nur knapp die Hälfte der Beschäftigten es überhaupt bis zur Rente mit 65 Jahren schafften: "Das zeigt, dass man eine flexible Rente zu vertretbaren Bedingungen braucht."

Gegenargumente

Der Chef des Arbeitgeberverbandes Gesamtmetall, Martin Kannegiesser, lehnte im Bayerischen Rundfunk die Vorschläge der SPD zu einer Reform der Altersteilzeit-Regelungen ab. Dies sei schon aus demografischen Gründen nicht mehr nötig, betonte er: "Die Schulabgängerzahlen werden heruntergehen. Die Arbeitsmarkt-Situation hat sich glücklicherweise radikal verändert, unsere Arbeitslosigkeit ist um fast zwei Millionen in drei Jahren zurückgegangen."

Anstatt Ältere aus dem Arbeitsleben zu entfernen, sei es Aufgabe der Betriebe, die Älteren mit ihren Erfahrungen in den Unternehmen zu halten. "Ältere Arbeitnehmer sind hinsichtlich körperlicher Belastbarkeit eingeschränkter, dem muss man Rechnung tragen", räumte Kannegiesser ein.

Die Arbeitgeber wollen den Anspruch auf Altersteilzeit stark einschränken und ihn nur noch körperlich stark belasteten Arbeitnehmern zubilligen. Ende 2009 läuft die staatliche Förderung durch die Bundesagentur für Arbeit aus, deshalb verhandeln die Tarifparteien über eine Neuregelung.

Unterstützung

Die SPD bekam im Streit mit der Union über ihr Konzept zur Verlängerung der Altersteilzeit aber auch Unterstützung aus dem Arbeitnehmerflügel der CSU. Der Vizechef der CSU-Arbeitnehmervertretung, Konrad Kobler, forderte in der "Süddeutschen Zeitung" (SZ) eine Weiterentwicklung der Altersteilzeit. Ansonsten drohe über die Rente mit 67 eine "zugespitzt gesagt hinterfotzige Rentenkürzung", sagte Kobler. Er verstehe nicht, dass die Union eine Verlängerung der Altersteilzeit-Förderung so konsequent ablehne. "Es muss doch möglich sein, eine Koalitionsvereinbarung zu ändern." Das passiere schließlich nicht zum ersten Mal.

Der Ministerpräsident von Sachsen-Anhalt, Wolfgang Böhmer (CDU), kritisierte hingegen die SPD-Pläne. Für eine Verlängerung über 2009 hinaus bestehe keine Notwendigkeit mehr, sagte er im Deutschlandradio Kultur. (APA/AP)