Wien – Die Steuereinnahmen sprudeln nicht nur wegen der ausgezeichneten Konjunktur im ersten Jahresdrittel, sonderen auch wegen der hohen Inflation. War man bei der Budgeterstellung noch von einem Preisanstieg von 1,7 Prozent im laufenden Jahr ausgegangen, lag die Teuerung stets über drei Prozent. Entsprechend hoch sind die Mehreinnahmen, die sich von Jänner bis April auf 972 Mio. Euro belaufen.

Laut einer Schätzung der Nationalbank bringt ein Prozent mehr Inflation nach drei Jahren höhere Abgaben und Steuererlöse im Volumen von 1,8 Mrd. Euro. Größter Brocken dabei seien die Sozialbeiträge mit 800 Mio. Euro, erläutert OeNB-Direktor Josef Christl im Gespräch mit dem STANDARD. Die Lohn- und Einkommensteuer schnellt nicht zuletzt wegen der kalten Progression in diesem Modell um 520, die Umsatzsteuer um 450 Mio. Euro nach oben.

Christl betont, Voraussetzung dafür sei, dass es sich um eine nachfrageseitige Teuerung handele, die sich positiv auf Exporte, Beschäftigung und Konsum auswirke. Werde die Inflation von einem Angebotsschock verursacht, wirke sich das mit 600 Mio. Euro negativ aus. Bisher seien die Preise wegen der großen Nachfrage gestiegen, derzeit kehre sich das gerade um, erklärt Christl.

Lohnsteuer steigt stark

Wie stark der Fiskus profitiert, zeigt ein Blick auf die Steuerdaten. Während die Realeinkommen heuer wegen der Inflation bisher rückläufig sind, stiegen die Lohnsteuereinnahmen um 457 Mio. Euro oder 7,5 Prozent. Das hat freilich auch mit der steigenden Beschäftigung zu tun. Bei der Umsatzsteuer liegt das Plus bei nur 3,2 Prozent, stagniert also real, was mit dem schwachen Konsum zu erklären ist. Auch bei der Körperschaftsteuer (plus zwölf Prozent) wirkt sich die hohe Inflation nach Meinung von IHS-Leiter Bernhard Felderer aus, weil die hohen Preise auf Kunden überwälzt werden. Der schwache Dollar dürfte künftig aber auf den Gewinnen und somit auf der KöSt lasten.

Dem Bund bleibt von den höheren Einnahmen freilich nicht all zu viel. Unter dem Strich hat er wegen gestiegener Überweisungen an die Länder sogar 340 Mio. Euro weniger in der Kasse. (Andreas Schnauder, DER STANDARD, Printausgabe, 18.6.2008)