Wien - Die Turbulenzen bei der Immobilienholding Meinl European Land Ltd. (MEL) haben jetzt ein gerichtliches Nachspiel. Der Prozessfinanzierer AdvoFin hat im Namen eines MEL-Anlegers die erste Klage gegen die Meinl-Gruppe beim Handelsgericht Wien eingebracht, berichtet das "WirtschaftsBlatt" in der Mittwoch-Ausgabe. Meinl bestreitet, dass es zu Unregelmäßigkeiten gekommen ist.

Der Anleger fordert demnach rund 66.000 Euro Schadenersatz von der Meinl Bank, ihrer Vertriebsfirma Meinl Success Finanz und der Immobilienfirma MEL. In der elfseitigen Klage, die Anwalt Ulrich Salburg formuliert hat, wird den Gesellschaften "irreführende Werbung" nach Paragraf 4 Kapitalmarktgesetz und nach Paragraf 2 des Gesetzes gegen unlauteren Wettbewerb vorgeworfen.

AdvoFin vertritt mittlerweile bereits 4468 MEL-Geschädigte. Darunter sind nicht nur viele Kleinanleger, sondern auch Banken und Fonds, so die Zeitung. "Wir gehen vorerst den Weg der Musterklagen, weil wir keinen zeitlichen Druck haben", erklärte AdvoFin-Chef Franz Kallinger auf Anfrage der Zeitung. Es würden weitere Musterklagen in den nächsten Wochen folgen. Aus reiner Voraussicht wurden dem Bericht zufolge Meinl Bank, Meinl Success Finanz und MEL gemeinsam geklagt. Kallinger: "Wir wollen nicht, dass irgendwo eine Lücke entsteht und sich einer auf den anderen herausredet."

Die Klagsvorwürfe im einzelnen laut Zeitung:
  • Irreführung bei der Verwendung der veranlagten Gelder.
  • Lediglich ein Drittel des von den Anlegern eingesammelten Kapitals wurde tatsächlich in Liegenschaften investiert. Entgegen den Werbeaussagen wurde der überwiegende Teil als Bargeld oder bargeldähnlichen Instrumenten gehalten.
  • Die Vorgangsweise sei völlig unverständlich, weil MEL keinesfalls für Bargeldbestände Zinsen bekommt, die höher sind als die Kreditzinsen für die kurz- und langfristigen Schulden der MEL.
  • Geringere Rendite als in der Werbung angegeben
  • Aufnahme von Schulden: Kein Anleger hätte in MEL-Papiere investiert, wenn ihm diese Zahlen (Immobilienwert, Barvermögen, Schulden) bekannt gewesen wären.
  • Seltsame Gebarung: Mit dem Bargeldbestand (4,8 Mrd. Euro) sollen nur acht Millionen Euro Zinseinkommen erwirtschaftet worden sein.
  • Virtuelle Gewinne: Die MEL-Bilanz weist 269 Millionen Euro Gewinn vor Steuern aus. 80 Prozent bzw. 218 Millionen davon entfallen auf "Aufwertungsgewinne".
  • Täuschung hinsichtlich Mündelsicherheit: Die Werbung mit Mündelsicherheit war bewusst irreführend und falsch. Er wurde niemals Mündelsicherheit festgestellt.
  • Täuschung hinsichtlich Zertifikate/Aktien und Kontrolle über MEL.

    Bei Meinl gibt man sich von den Vorwürfen aber wenig beeindruckt. "Die Klage wurde bisher nicht zugestellt, aber die Vorwürfe sind offenbar alt und zum Teil längst widerlegt, wie etwa durch die Erkenntnis des Unabhängigen Verwaltungssenats, der festgestellt hat, dass keine irreführende Werbung mit dem Begriff Mündelsicherheit vorliegt", heißt es in einer Stellungnahme von Meinl-Sprecher Herbert Langsner. Und weiter: "Die anderen Behauptungen sind schlicht falsch oder irrelevant, wie etwa die Feststellung, dass Aufwertungsgewinne erzielt wurden - das ist weder geheim noch verboten, sondern ein Erfordernis der Bilanzierungsvorschriften. Die Meinl Bank, soweit sie von den Behauptungen des Klägers überhaupt betroffen ist, sieht einem Verfahren also sehr gelassen entgegen." (APA)