Das neue Mittelstandssegment der Wiener Börse, der Mid Market, muss weiter auf eine Erfolgsstory warten. Das einzige Unternehmen, dass bisher den Börsegang im neuen Segment gewagt hat, der Tiroler Computer-Sicherheitsspezialist Phion, hat das erste Jahr an der Börse mit kräftigen Verlusten beendet. Nach der am Mittwoch veröffentlichten Bilanz 2007/08 ist das Betriebsergebnis von plus 70.000 Euro auf minus 1,6 Mio. Euro eingebrochen. Das Ergebnis der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit (EGT) drehte mit 1,28 Mio. Euro ins Minus. Die Phion-Aktie ist seit dem Börsegang Anfang Juli 2007 von 43 Euro auf 18,90 Euro eingebrochen.

Sprung in die Nettogewinnzone

Vor dem Börsegang hatte das Unternehmen noch betont, dass es 2006/07 den Sprung in die Nettogewinnzone geschafft habe. Ausblick hatte das Unternehmen damals unter Verweis auf die Stillhaltebestimmungen vor dem Börsegang keinen abgegeben. Phion-Chef Wieland Alge begründete die jetzigen Verluste mit der internationalen Expansion. Vom Marktstart in einem neuen Land bis zum Erreichen der Gewinnzone vergingen üblicherweise 12 bis 15 Monate. Auch in den nächsten zwei bis drei Quartalen rechne er noch mit einem "substanziell negativen Cash-Flow", sagte Alge bei der Bilanzpressekonferenz.

Zukauf

Deshalb will Phion nach seinem ersten Zukauf in der Schweiz Anfang dieser Woche den Cash-Bestand vorerst halten und zumindest in den nächsten sechs Monaten keine weiteren Übernahmen tätigen. Aus dem Börsegang sind dem Unternehmen rund 15 Mio. Euro Eigenkapital zugeflossen. Nach der Übernahme des Schweizer Internet-Sicherheits-Spezialisten Visonys AG seien noch etwa 7 Mio. Euro Cash im Unternehmen. Phion verfüge damit über mehr als ausreichende liquide Mittel, um das organische Wachstum fortzusetzen.

"Leuchtturm-Kunden"

Wie angekündigt habe man über den Kernmarkt Österreich, Deutschland und Schweiz hinaus mit Vertriebsniederlassungen nach Italien, Benelux und Großbritannien expandiert und wichtige "Leuchtturm-Kunden" gewonnen. Demnächst soll auch ein Büro im Nahen Osten eröffnen. Der Umsatz sei - dank starker Zuwächse vor allem in Deutschland, aber auch noch in Österreich - um 38 Prozent auf 7,84 Mio. Euro gestiegen. Im laufenden Geschäftsjahr erwarte Phion dank Visonys ein noch höheres Umsatzwachstum, sagte Alge. Im Kalenderjahr 2007 hatte Visonys rund 2 Mio. Euro umgesetzt, heuer sollen es 2 bis 3 Mio. Euro werden.

Keine Prognosey

Ergebnisprognose wollte Alge für Phion keine abgeben - weil Umsatzsteigerungen um zusätzliche zehn Prozent sich direkt im Ergebnis niederschlagen würden und das Ergebnis daher noch stark schwanken könnte, so der Phion-Chef.

Bei einigen Anlegern habe sich offenbar Enttäuschung eingestellt, wie sich die Profitabilität von Phion und auch der Mid Market entwickelt haben, räumte Alge ein. Bei der Hauptversammlung am 4. Juli würden die Aktionäre voraussichtlich "zurecht fragen, was wir mit ihrem Geld getan haben. Wir glauben aber, dass wir akzeptable Antworten haben", betonte er. An einen Wechsel an eine andere internationale Börse denkt das Unternehmen nicht.

Rückkauf

Für die HV hat Phion die Genehmigung eines Rückkaufs von bis zu 10 Prozent der eigenen Aktien beantragt. Mit diesen Aktien wolle man längerfristig Firmen akquirieren oder Mitarbeiter-Beteiligungen abdecken. Sollte Phion bei der Suche nach Übernahmezielen in den nächsten ein bis zwei Jahren auf echte Perlen treffen, schließt Alge auch eine weitere Kapitalerhöhung nicht aus. (APA)