Wien - Nach Ansicht des neuen Verbund-Generaldirektors Wolfgang Anzengruber, der Anfang 2009 beim größten österreichischen Stromerzeuger die Nachfolge von Michael Pistauer antritt, muss man damit rechnen, dass Strom weiter teuer bleibt oder sogar noch teurer wird: "Nachdem die Aufbringung begrenzt ist, weil neue Kapazitäten nicht so schnell realisierbar sind und der Verbrauch steigt, gibt es nur mehr zwei Möglichkeiten: die eine ist die Preissituation, die andere Effizienz steigernde Maßnahmen", sagte er in einem Ö1-Interview des ORF-Radio.

Allerdings sollten die Energiepreise "in vernünftige Dimensionen" gelenkt werden und die Volatilität der Preisausschläge etwas reduziert werden, meinte Anzengruber. Am Dienstagabend in seiner Antrittspressekonferenz hatte es der designierte Verbund-Chef noch abgelehnt, zum Thema Strompreise Stellung zu nehmen.

Ausbaupotenzial

Zum Kraftwerks-Ausbaupotenzial in Österreich verwies Anzengruber im Radio darauf, dass man "natürlich auch Bedacht nehmen" müsse "auf die verschiedenen Interessensgruppen auf der ökologischen Seite, aber natürlich auch die regionalen Bereiche". Grundsätzliche sollte man aber schon die erneuerbaren Ressourcen im Land nutzen, um auch die Energieaufbringung weiter zu verstärken, betonte er.

Dass die Konzentration von Stromerzeugung und Stromtransport in einer Hand zu wenig Wettbewerb bedeutet, wie die EU-Kommission meint, und dadurch Strom zum Beispiel auch in Österreich unnötig teuer wird, glaubt Anzengruber nicht und verweist auf den Gesamtvergleich in Europa: "Dann sieht man, dass das kein bestimmender Faktor für unterschiedliche Preisniveaus in den Ländern ist."

Atomenergie

Die Frage nach nuklearer Energie in Österreich stellt sich für Anzengruber nicht. Grundsätzlich meint er, dass mit nuklearer Energie so viel Emotionen im negativen Sinn verbunden sind, dass Wissenschaft und Forschung in der nächsten Zeit durchaus auch Aspekte finden werden, die entweder nukleare Energie sicherer machen oder ohne diese das Auskommen finden werden.

Anzengruber, Chef des Salzburger Kranherstellers Palfinger, war am Dienstagnachmittag vom Verbund-Aufsichtsrat zum neuen Generaldirektor des Unternehmens per Anfang 2009 bestellt worden. Die AR-Sitzung hatte um 14 Uhr begonnen, um 15.05 Uhr war man laut Aufsichtsratsvorsitzendem Gilbert Frizberg schon fertig: "Der Börseschluss ließ uns bis 17.30 Uhr warten", begründete Frizberg Dienstagabend die erst Stunden später erfolgte Bekanntgabe via Aussendung und kurzfristig angesetztem Pressegespräch. (APA)