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Foto: APA/EPA/Cuna
Wien - In Frankreich herrscht nach dem Aussscheiden in der Gruppenphase Ratlosigkeit, nicht nur aufgrund der mageren sportlichen Leistung. Die französischen Medien erwähnen natürlich den unglücklichen Spielverlauf und die Verletzung von Franck Ribery, die sich am Mittwoch als schwere Verstauchung im linken Knöchel heraus­stellte, aber auch Trainer Raymond Domenech wird in Frage gestellt.

Domenech hatte bereits bei der Nominierung des Kaders mit der Nichtberücksichtigung von Juve-Goalgetter David Trezeguet Kopfschütteln verursacht, gerät jetzt aber freilich noch mehr in die Kritik, so schreibt etwa die Liberation: "Die Blauen müssen mit der WM-Qualifikation ab September neu durchstarten. Aber mit wem? Nach der Euro muss man sich diese Frage stellen. Und Domenech? Nach dem Match hielt er im Fernsehen um die Hand von Estelle Denis an. Kein Kommentar."


Domenechs Interview auf M6, Quelle Youtube

Domenech hatte das Live-Interview mit dem französischen TV-Sender M6 nach dem Spiel gegen Italien genutzt, um folgende Worte an seine Freundin Estelle Denis zu richten: "Ich habe nur ein Projekt, nämlich Estelle zu heiraten. Und heute frage ich sie. Ich weiß, es ist schwer, aber es sind diese Momente, in denen ich sie brauche."

Am Tag danach erklärte er die Aktion folgendermaßen: "Ich habe einen Hauch Menschlichkeit gezeigt in einem Moment, in dem ich professionell hätte bleiben müssen." Wie seine Lebensgefährtin, mit der Domenech zwei Kinder hat, auf den indirekten Antrag via TV reagierte, ist nicht bekannt. "Ich habe nicht darüber nachgedacht, das war eine spontane Äußerung", erklärte Domenech. "Ich hatte Lust, den Leuten, die ich liebe, zu sagen, dass ich sie liebe."

Le Parisien sah in dieser Szene Reality-Trash-TV, das Frankreich nach dem fußballerischen "Fiasko" (ein Punkt, ein Tor, sechs Gegentore) auf dem falschen Fuß erwischt hätte. Generell herrscht in den Medien die Meinung vor, dass man Domenechs Entscheidungen nicht mehr nachvollziehen könne.

Keine Antworten zur Zukunft

Was die sportliche Zukunft betrifft ist Domenech weit schweigsamer, auch am Tag nach dem Aus lehnt er jede Frage zu diesem Thema ab: "Ich werde diese Frage nicht beantworten. Auch wenn Sie sie mir noch und noch einmal stellen."

Mit einem launischen Lächeln im Gesicht zählte der Teamchef die Fragen nach seinem Schicksal und lobte besonders einfallsreiche Versuche. "Nummer sieben. Ich wiederhole, dass ich nicht auf diese Frage antworten werde. Mein persönliches Schicksal ist nicht von Interesse. Dieses Team hat eine Zukunft, das wiederhole ich auch."

"Kein Scheitern"

Das Vorrundenaus als Gruppenletzter der Gruppe C ist für Domenech "eine Enttäuschung, kein Scheitern. Eine Mannschaft verändert sich ständig. Ich sehe mit vielen jungen Talenten eine große Zukunft für die WM 2010."

Der 56-Jährige, der Frankreich vor zwei Jahren noch ins WM-Finale geführt hatte, gab auch mögliche Fehler zu: "Man kann immer sagen, dass man vielleicht etwas anders hätte machen können, dass es vielleicht so und so besser gewesen wäre. Es ist aber unmöglich, das auch umzusetzen und zu beweisen."

"Alles schief gelaufen"

Das Spiel gegen Italien - "ein Achtelfinale, ein Entscheidungsspiel" - habe unter den denkbar schlechtesten Umständen stattgefunden. "Es ist alles schief gelaufen. Die Verletzung von Franck Ribery nach zehn Minuten, der seltsame Elfmeter und die rote Karte gegen Abidal nach 25 Minuten haben das Spiel stark verändert."

Der französische Fußballverband FFF kündigte in einem Communique am Mittwoch die Entscheidung über Domenechs Zukunft für Donnerstag, den 3. Juli an. "Es wird keine übereilte Entscheidung geben", verlautbarte der Verband. "Man muss sich Zeit nehmen, in aller Ruhe die Gründe und Auswirkungen des vorzeitigen Ausscheidens bei der EURO 2008 zu analysieren."(red/APA)