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Foto: Archiv d. Th. Kramer Ges.
Zeitlebens saß Theodor Kramer zwischen allen Stühlen. Da half es auch nicht, dass Großschriftsteller wie Thomas Mann, Stefan Zweig und Carl Zuckmayer die Bücher des österreichischen Lyrikers ausdrücklich empfahlen. Der Sohn eines jüdischen Gemeindearztes kam 1897 im niederösterreichischen Hollabrunn zur Welt.

Im 1. Weltkrieg wurde er schwer verwundet: Die Kriegserlebnisse sowie ausgedehnte Wanderungen in Niederösterreich und dem Burgenland spiegeln sich in seinen frühen Gedichten. Ohne romantische Züge schreibt er über die heimische Natur und gesellschaftliche Außenseiter - Proletarier, Vagabunden, Tagelöhner, Ziegelbrenner, Knechte und Huren.

Eigentlich ist Kramer ein genuiner Heimatdichter, dennoch wurde der überzeugte Sozialdemokrat von allen Seiten bekämpft. Den Christlich-Sozialen galt seine Darstellung der Unterschicht als zu fortschrittlich, die austromarxistischen Parteigenossen verunglimpften ihn als Spießer. Nach dem Einmarsch der Hitler-Truppen blieb Kramer - obwohl seine Bücher von den Nazis verboten worden waren - bis zum letztmöglichen Augenblick in Österreich. Erst im Juli 1939 emigrierte er nach England, wo er mit Schicksalsgenossen wie Hilde Spiel, Elias Canetti und Erich Fried in Kontakt stand.

1957 wurde der weithin vergessene Dichter nach Österreich zurückgeholt, wenig später, am 3. April 1958, starb er in Wien. Aus Anlass des 50. Todestages steht der heutige Abend unter dem Titel "Andre, die das Land so sehr nicht liebten ..." ganz im Zeichen Theodor Kramers: Michael Baumann, Georg Clementi und Akkordeonistin Sigrid Gerlach-Waltenberger zeichnen für eine poetisch-musikalische Hommage verantwortlich, zudem wird Brita Steinwendtners Filmporträt "... für die, die ohne Stimme sind" gezeigt. Einleitung und Moderation vom Salzburger Germanisten Karl Müller. (dog / DER STANDARD, Print-Ausgabe, 19.6.2008)