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Eybl-Großaktionär Rudolf Fries soll auf Wunsch der Banken 50 Millionen Euro in das Unternehmen einschießen.

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Wien – Harte Verhandlungen um einen stillen Ausgleich gibt es nach Informationen aus Bankkreisen in der Causa des maroden Kremser Autozulieferers Eybl International. Um die kreditgebenden Institute zu einem Schuldennachlass zu bewegen, soll aber auch Eybl-Großaktionär und Ex-Böhler-Investor Rudolf Fries (er hält über eine Stiftung etwas über 40 Prozent) Kapital in das Unternehmen einschießen. Das bei einem Bankengipfel am Donnerstag diskutierte Szenario sieht einen Schuldennachlass von 50 Millionen Euro vor allerdings unter der Bedingung, dass Fries dem Unternehmen 50 Millionen an frischem Kapital zur Verfügung stellt. Eine weitere Bedingung sei, dass der Unternehmensberater Roland Berger die Sanierung der seit Jahren mit der schwächelnden Autobranche darniederliegenden Eybl begleitet. Eine Entscheidung über dieses Szenario soll frühestens nächste Woche fallen.

Banken in der Bredouille

Die an der Wiener Börse notierte Eybl soll aktuell mit rund 100 Millionen Euro bei Kreditinstituten in der Kreide stehen, die Verbindlichkeiten bei Lieferanten machten im Geschäftsjahr 2006/07 (die Bilanz 2007/08 liegt noch immer nicht vor) 48 Millionen Euro aus, insgesamt war das Unternehmen mit 171 Millionen Euro verschuldet. Die Hauptlast der Kredite dürfte mit rund 30 Millionen Euro die Eybl-Hausbank UniCredit tragen, auf deren Initiative das Treffen gestern einberufen wurde. Weitere Kreditgeber sind die Raiffeisen Zentralbank, die Raiffeisenlandesbank Oberösterreich, Oberbank, Erste Bank und Bawag. Von der 2005 von Eybl aufgelegten Unternehmensanleihe in Höhe von 60 Millionen Euro sollen Banken und institutionelle Anleger rund 45 Millionen Euro gezeichnet haben. Für die Kreditgeber wäre es wahrscheinlich teurer, das Unternehmen in Konkurs zu schicken, meinen Beobachter. "Es geht natürlich um eigene Interessen, die Banken wollen soviel wie möglich zurückkriegen, aber die Maßnahmen dienen auch dazu, das Unternehmen zu retten" , so ein Insider. Die in Österreich, Ungarn der Slowakei und Rumänien tätige Eybl beschäftigte zuletzt rund 4200 Mitarbeiter.

Neue Verluste

Ein Problem bei der angestrebten Lösung ist laut einem Banker allerdings auch, "dass immer wieder neue Verluste auftauchen" . Vor allem im Eybl-Werk in Rumänien sollen zu den bereits bekannten weitere Löcher im Volumen von 16 Millionen hinzugekommen sein. Die Schieflage von Eybl wurde im Jänner 2008 bekannt, als nach dem plötzlichen Abgang von Eybl-Vorstandschef Johannes Elsner eine Gewinnwarnung gegeben wurde. Der erwartete Jahresverlust 2007/08 von 27 Millionen war umso überraschender, als Eybl zum Halbjahr noch ein knapp positives Ergebnis vorgelegt hatte. Die Eybl-Aktie stürzte darauf massiv ab, seit Jahresbeginn hat die in den Standard Market Auction herabgestufte Eybl rund 67 Prozent an Wert verloren und notiert derzeit bei 3,65 Euro.

Probleme könnte das Unternehmen auch noch an einer anderen Front bekommen. Bei der Staatsanwaltschaft Krems traf im Jänner eine Anzeige ein, in der Eybl Bilanzfälschung vorgeworfen wurde. Die Ermittlungen der Wirtschaftsabteilung des Landeskriminalamtes Niederösterreich (LKA NÖ) sind inzwischen abgeschlossen, die Sachverhaltsanzeige soll demnächst an den Staatsanwalt gehen, sagte ein Sprecher des LKA. Das Unternehmen selbst wollte sich zum Ergebnis der Bankenrunde nicht äußern. Der Termin für die bereits zweimal angekündigte Bilanzvorlage werde in den nächsten Tagen festgelegt und demnächst bekanntgegeben, so ein Unternehmenssprecher. Am Sanierungskonzept werde noch gearbeitet, hieß es. (APA, gra, kol, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 20.6.2008)