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Der verhinderte Superstar Arschawin machte heute den Unterschied.

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Zlatan und Schweden haben ausgeträumt.

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Innsbruck – Nein, nein, nein: Das ist keine russische Dampfwalze. Das ist Bolschoi, oder zumindest der Keim dazu. Wie das russische Team in der ersten Halbzeit agierte – gestützt aufs Bewusstsein, nun wieder über den St. Petersburger Nurejew namens Andrej Arschawin, der in den ersten beiden Spielen seine Rotsperre abgesessen hatte, zu verfügen –, hatte wahrhaft tänzerische Qualitäten. Die Schweden, die doch wahrlich auch solche in ihren Reihen haben, schienen beinahe outriert hüftsteif im Vergleich.

Der UEFA-Cup-Sieger Arschawin schien spielerischen Nachholbedarf zu haben. Der 27-Jährige riss die Partie sofort an sich, oder er drängte sich vor, oder er war halt einfach da – wie immerman das sagen will.

Arschawin hatte denn auch die erste Chance. Den Kopfball setzte er allerdings neben das Tor (13.), einen frechen Heber lenkte der schwedische Torhüter Andreas Isaksson gerade noch über die Latte (21.). Dann ging, ebenfalls in der 21. Minute, Jurij Schirkows Weitschuss knapp vorbei.

In der 24. Minute war es dann soweit. Schneller Gegenstoß auf rechts, Verteidiger Anjukow gibt flach und scharf zur Mitte, und Roman Pawljutschenko verlängert elegantest und unwiderstehlich zum 1:0 für die jüngste Truppe dieses Turnier. Und ließ damit die Schweden noch älter aussehen, als sie ohnehin sind.

Bei den Skandinaviern war schon zuvor eine erstaunliche Zerfahrenheit zu beobachten, die sich aber natürlich auch dem Kasatschok verdankte. Abwehr und Mittelfeld verloren immer wieder den Kontakt zu den Spitzen, Larsson und Ibrahimoviæ, was bei einer besseren Form der beiden sicherlich Sinn hätte machen können. So aber verfingen sich die Konteransätze immer wieder.

Den Versuch, so was wie deutlichen Druck aufzubauen, ließen die Russen durch ihre rasante Gegenwehr kaum zu. Ein Kopfball von Larsson an die Latte in der 27. Minute, ein Weitschuss von Ljungberg in der 36. – das war’s im Prinzip. Die Anstrengungen der Schweden wirkten wie bloße Inseln im breiten Strom: eine da, eine dort. Sie konnten die Fließgeund dort verwirbeln, aber nicht wirklich bremsen.

Dass es auch nach der Pause in diesem Rhythmus weitergehen sollte, machte Nurejew im Handumdrehen klar. Eine ähnlich schnelle Zustechbewegung wie vor dem 1:0, nur diesmal über links. Linksverteidiger Schirkow schickte steil Arschawin, und der hatte wenig Mühe, die überraschte schwedische Verteidigung müde aussehen zu lassen – 2:0. Zlatan Ibrahimoviæ, der einzige, der das Zeug gehabt hätte, eine Antwort auf den russischen Rhythmus zu geben, lahmte während der ganzen Partie. Und damit die gesamte schwedische Mannschaft.

Nach der 2:0-Führung kamen die Schweden endgültig in die russische Gasse. Die ungeheure Schnelligkeit, Übersicht und Ballbeherrschung eignet sich ja auch hervorragend fürs Kontern. Chance folgt auf Chance. Vor allem Arschawin und Pawljutschenko geben keine Ruhe. Die auf schwedischer Seite womöglich gehegte Hoffnung, das ungeheure Anfangstempo werde sich als jugendlicher Leichtsinn herausstellen, stellte sich als bloßer Altersstarrsinn heraus.

Die Russen haben – jedenfalls in dieser Partie – holländisches Fußwerk gezeigt. Und dürfen das nun im Viertelfinale am Samstag in Basel zur Belohnung gegen die Landsleute ihres Trainers, Guus Hiddink, einer wirklichen Prüfung unterziehen. (Sigi Lützow - DER STANDARD PRINTAUSGABE 19.6. 2008)

Gruppe D:

  • Russland - Schweden 2:0 (1:0). Innsbruck, Tivoli Neu, 30.772 Zuschauer (ausverkauft), Schiedsrichter Frank De Bleekere (BEL).

    Tore: 1:0 (24.) Pawljutschenko, 2:0 (50.) Arschawin

    Russland: Akinfejew - Anjukow, Ignaschewitsch, Kolodin, Schirkow - Semak - Syrjanow, Semschow, Biljaletdinow (66. Saenko) - Arschawin - Pawljutschenko (90. Bystrow)

    Schweden: Isaksson - Stoor, Mellberg, Hansson, Nilsson (79. Allbäck) - Elmander, Andersson (56. Källström), Svensson, Ljungberg - H. Larsson, Ibrahimovic

    Gelbe Karten: Semak, Arschawin, Kolodin bzw. Isaksson, Elmander