Christoph Sieber, aktiver Sportler, Motivations- und Mentaltrainer; 1994 Dritter im Windsurfing bei den Europameisterschaften, 2000 holte er bei den Olympischen Sommerspielen in Sydney die Goldmedaille, 2005 österr. Staatsmeister im 49er Segelboot.

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Michael Kraus, Geschäftsführender Gesellschafter der Donau-Finanz, 1995 - 2000 Vorstandsvorsitzender der SCS Holding AG. In seiner Laufbahn erstellte er u. a. Konzepte für Finanzminister Hannes Androsch zur Sanierung von Betrieben und führte zahlreiche Unternehmen erfolgreich aus der Krise.

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Joachim Baca, seit Anfang 2004 bei bwin Interactive Entertainment, seit 2006 COO und Head of Group HR & Infrastructure. Aktuell verantwortet er den gesamten operativen Bereich mit über 600 Mitarbeitern der bwin Gruppe.

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Harti Weirather, erfolgreicher Skirennläufer in den 80er Jahren, Abfahrt-Skiweltmeister 1982 in Schladming, 1981 Einzelweltcupmeister in der Abfahrt, heute erfolgreicher Unternehmer in der Sportkommunikationsbranche mit seinem Unternehmen WWP.

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Moderation: Gerhard Zadrobilek (ehem. österr. Radspitzensportler, heute Motivations- und Mentaltrainer) und Sylvia Enzendorfer (acm).

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Spitzenleistungen erbringen und ein hohes Leistungsniveau halten – das haben Spitzensportler und Führungskräfte gemeinsam - Was nun wirklich beim Erreichen seiner Ziele zentral ist und wie man Kraft aus den schwierigen Phasen auf diesem Weg gewinnt, das und vieles mehr war Inhalt der Diskussion "Spitzenleistungen mit Spaß und Erfolg in einem kompetitiven Umfeld – nur die Harten kommen durch?" im Rahmen des STANDARD-Mentoring-Circle.

Gemeinsam mit bwin lud ACM (academic mentoring) zur zweiten Special-Interest-Veranstaltung in diesem Jahr, mit derStandard.at/Karriere als Medienpartner. Es diskutierten Harti Weirather, Abfahrt-Skiweltmeister 1982 in Schladming, heute erfolgreicher Unternehmer in der Sportkommunikationsbranche mit seinem Unternehmen WWP, Christoph Sieber, aktiver Sportler und Motivations- und Mentaltrainer, 2000 holte er bei den Olympischen Sommerspielen in Sydney die Goldmedaille, Michael Kraus, Geschäftsführender Gesellschafter der Donau-Finanz, Joachim Baca, COO und Head of Group HR & Infrastructure der bwin Gruppe. Gerhard Zadrobilek, ehemaliger Radspitzensportler, heute Motivations- und Mentaltrainer und Sylvia Enzendorfer von ACM führten durch den Abend.

Was Erfolg ist

"Erfolg ist ein großes Wort, das nächste ist Glück", sagt Christoph Sieber auf die Frage, was denn Erfolg überhaupt sei. Für ihn hat Erfolg zwei Seiten: Einerseits die Anerkennung, das Lob von außen, denn ohne Wertschätzung seien auch Mitarbeiter in der Wirtschaft nicht motivierbar. Andererseits sei Erfolg nicht nur das Erreichen eines Ziels: "Die Frage ist, ob ich alles gegeben habe, was ich kann, ob ich mein gesamtes Potenzial ausgeschöpft habe, dann hält das Glücksgefühl auch länger an". Auch für Harti Weirather hat Erfolg zwei Gesichter: als Sportler war das Ziel klar - Skiweltmeister zu werden. "Anders läuft es in der Wirtschaft. Ein Unternehmen aufzubauen ist schwieriger, am Anfang hat man viele Rückschläge, hat man dann Erfolg klopft einem irgendwann keiner mehr auf die Schulter und sagt 'gut gemacht'."

Frage der Messbarkeit

Der große Unterschied zwischen Spitzensport und der Wirtschaft: im Sport ist der Erfolg komplett messbar – Abfahrt-Skiweltmeister ist man oder nicht. Das sieht auch Michael Kraus so, Erfolg sei im Wirtschaftsleben etwas komplizierter. "Ich kenne genügend Sportler, die als Unternehmer nicht erfolgreich waren." Für ihn kommt es auch auf den Weg zum Erfolg an, es bedarf immer einer Anstrengung um etwas zu erreichen. Joachim Baca vergleicht Managementerfolge und Sporterfolge so: "Man setzt sich Ziele, hat Erfolg und bezieht Motivation daraus."

Leistungsniveau halten

Hat man etwas erreicht, war erfolgreich, bleibt die Frage wie man es schafft, Spitzenleistungen auf dem hohen Niveau zu halten. Man steckt sich immer höhere Ziele, wie schafft man das?

"Wenn man ein großes Ziel erreicht, am besten gleich wieder danach Ziele stecken, weil die eigene Goldmedaille ist einem selbst sehr rasch nichts mehr wert", weiß Sieber aus eigener Erfahrung. Für ihn kommt es dabei aber auch auf den Charakter an. Der aggressive Wettkampftyp brauche gesteckte Ziele und Lob. Ein Anderer, der sich eher zurückzieht, wolle möglicherweise eher 'spielen' und braucht keine Planung. Für ihn ganz wichtig: den Charakter ausleben zu können. Auch bei Weirather hat das WM-Glück nicht allzu lange angehalten, er wollte bald wieder etwas Neues machen. Seine Vision: professionelle Dienstleistungen zwischen Sport, Medien, Werbeträgern und Industrie.

Niederlagen wegstecken

Wie aber geht man mit Niederlagen um? "Die Frage im Management ist, wo fängt eine Niederlage an, wo hört sie auf. Es dauert, bis man sich selbst eingesteht, dass man einiges hätte anders machen können." Niederlagen könne man aber auch etwas Positives abgewinnen: Man ist ein Stück weiter. Weirather weiß das Verhältnis von Erfolg und Niederlage im Skisport mit Zahlen zu belegen: 8:2 sei das Verhältnis von Niederlage zu Erfolg. Gründe man ein Unternehmen ist das Verhältnis 50:50, später kehre es sich um auf 2:8.

"Auf das Wertesystem kommt es an"

Kraus rät, mit Niederlagen konstruktiv umzugehen: "Dafür ist es wichtig, dass sich alles vor dem Hintergrund eines Wertesystems abspielt." Der Grund: eine Niederlage müsse eingeordnet werden, nur dann kommt man wieder heraus. Als Vorbild im Umgang mit Niederlagen nennt er die USA: dort sei Misserfolg in der Wirtschaft Teil des Wirtschaftens, in der Gesellschaft könne man besser damit umgehen. Am erfolgreichsten sind für ihn jene, die dabei Wesentliches von Unwesentlichem unterscheiden können. "Man muss sich selbst kennen und wissen, dass und wie man damit umgehen kann."

Ähnlich lautet das Motto von Sieber: "Ich mache keine Fehler, sondern sammle Erfahrungen." Er stimmt zu, dass Werte viel ausmachen, wie man etwas wahrnimmt. Erst in einer Krise müsse man sich aufraffen. "Denn mit einer Pina Colada unter einer Palme geht nichts weiter." Baca sieht Niederlagen aber auch sehr nüchtern: "Manchmal können sich Manager Niederlagen gar nicht leisten."

Auf Stärken aufbauen

Weirather musste auch erst lernen zu akzeptieren, dass seine Mitarbeiter Fehler machen. Als Einzelkämpfer im Sport habe er nie gelernt anderen Menschen zu vertrauen, sondern nur sich selbst. Eines der Dinge, die er vom Spitzensport direkt in die Wirtschaft mitgenommen hat: "Im Sport geht vieles daneben, es ist ein Muss sich auf seine Stärken zu fokussieren. Viele Unternehmen verzetteln sich in kleinen Krisen."

Unterstützung

Und was hilft in den schwierigen Momenten? "Herauskommen muss man selber, aber es ist gut ein eigenes kleines Supportteam zu haben - Kollegen, Familie, Mentoren." Für Kraus ist klar: "Man braucht jemanden, der engagiert zuhören kann."

Erfolgsrezepte

"Wenn ich sagen kann, heute habe ich alles geleistet, was ich leisten kann und habe Spaß dabei gehabt, dann war das ein großartiger Tag", so beschreibt Sieber mit einem Satz einen erfolgreichen Tag. Für Weirather zählt dabei vor allem auch sich selber treu zu bleiben: "Am Abend in den Spiegel schauen können und der geblieben zu sein, der ich bin."

Für Kraus ist eine ständige Unzufriedenheit wichtig um erfolgreich zu sein, aber die Grundvoraussetzung sei in sich selbst zu ruhen. "Immer wieder aus sich heraus motiviert sein, egal, was man tut, Initiative zeigen und die Selbstreflexion über Stärken und Schwächen", so kocht Baca sein Erfolgsrezept. Und Weirather hat einen Ratschlag, den man sich in allen Lebenslagen zu Herzen nehmen kann: "Wenn man von sich selbst überzeugt ist, schafft man es auch." (mat, derStandard.at, 23.6.2008)