Claudia Stöckl interviewt ihre Promis meist beim Buffet, sie selbst soll aber in der Kantine essen.

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Weil in VIP-Land jeder gern ein bisserl mehr VIP wäre als die anderen, stellt niemand das System der Zugangs- und Privilegienverteilung laut infrage: Wer fragt, zweifelt. Wer zweifelt, ist nicht loyal. Und wer nicht loyal ist, rutscht von der Gästeliste. Doch dass die Telekom bei ihrem exklusiven Public Viewing im Burgtheater ausgerechnet an Radioreportern des ORF eine neue Facette dieses "divide et impera"-Spieles ausprobieren würde, hätte Ö3-Frühstückerin Claudia Stöckl nicht erwartet.

Als die Radioreporterin erstmals im Burgtheater eincheckte, wurde ihr (und einigen Kollegen) gemeinsam mit der Karte ein Formular zur Unterschrift gereicht. In den (dem STANDARD vorliegenden) Anweisungen heißt es: "Es ist nicht gestattet, mit der Karte am Buffet zu essen, dafür ist die Kantine vorgesehen." Kollegen Stöckls bekamen Karten ohne Buffet-Klausel.

Auf Nachfrage des STANDARD hieß es dann zunächst, das Formular existiere nicht. Kurz darauf begann der Rückzug: Nur ein paar Techniker hätten das Papier erhalten. "Nur Leute, die ohnehin nie zum Buffet kommen." Stöckl ist enttäuscht: Den Aufpasser, der "Unwürdigen" Häppchen aus dem Mund nimmt, hätte sie gern interviewt. (Thomas Rottenberg, DER STANDARD - Printausgabe, 20. Juni 2008)