Österreicher gelten als Europas Schmutzfinken in Sachen Verkehr. Nirgendwo sonst wachsen die Autolawinen so rasant wie hierzulande. Österreich hat das fünft dichteste Autobahnnetz des Kontinents. Pro Million Einwohner durchziehen 254 Kilometer Autobahnen und Schnellstraßen die Alpenrepublik. Das ist doppelt so viel wie der EU-Durchschnitt.

Nun kann man zu Recht sagen, der öffentliche Verkehr ist nicht ausreichend ausgebaut. Stimmt, könnte vielfach besser sein. Wer am Land wohnt, dem bleibt oft nur das Auto, um in vertretbarer Zeit von A nach B zu kommen. Aber allen Mängeln zum trotz: Es gibt Bus, Bahn, Taxi, Sammeltaxi – und Fahrgemeinschaften. Wer mit offenen Augen durch die Welt geht, weiß: Der Großteil der Autofahrer ist allein unterwegs- nicht nur am Land, sondern auch in der Stadt.

Der gerne geäußerten Meinung, viele hätten gar keine Möglichkeit umzusteigen, kann man entgegenhalten: Jeder zweite Wiener fährt mit dem Auto in die Arbeit. Was die Aufwendungen für diesen Luxus betrifft: Ein Pkw kostet pro Monat rund 550 Euro. In Sachen Kosten lügen wir uns lieber selbst in die Taschen, als auf die "Freiheit und den Komfort" dieser Art von Mobilität zu verzichten. Denn was der hohe Ölpreis bislang bewirkte: Die Österreicher tanken nicht mehr voll. Insgesamt ging der Treibstoffverbrauch bislang noch nicht zurück.

Die Idee der großen Freiheit - aus den Anfangszeiten der Mobilität – ist eben nicht so leicht aus den Köpfen zu verbannen. So gesehen ist der hohe Öl- und mit ihm Spritpreis die Chance, sich gezwungenermaßen auch nach Alternativen umzusehen. Wenn die Nachfrage einbricht, werden auch die Preise - wenn auch nicht sehr stark - fallen. Jene, die das Auto wirklich brauchen, werden es zu schätzen wissen. Die erste Gelegenheit bietet sich gleich in den Sommermonaten: Die Treibstoffpreise werden rechtzeitig zu Ferienbeginn noch einmal steigen. Und die Konsumenten? Könnten versuchen umzusteigen. Im Kopf, und in echt. (Regina Bruckner)