Wien – Dem Kunstrückgabebeirat konnten in der Sitzung am Freitag nur zwei Dossiers vorgelegt werden. Im Nachtrag zum Fall Salomon Rosenzweig gab dieser keine Empfehlung zur Restitution ab: Das Ölgemälde Fischmarkt von Hans Canon, 1964 von der Österreichischen Galerie Belvedere im Dorotheum erworben, war zuvor an die Sammelstelle A restituiert worden.

Die Rückgabe der Plakatsammlung von Julius Paul (gestorben im Jänner 1938) hingegen wird befürwortet. Dessen Neffe Gaston Albert Belf, der in der Vermögensanmeldung dieses Konvolut (3545 Plakate, Zettelkatalog, 13 Zeichnungen, 79 Druckgrafiken, 26 Bibliothekswerke) als seinen Besitz angegeben hatte, floh im Oktober 1938 zusammen mit seiner Frau über die Tschechoslowakei und Rotterdam in die USA. Zuvor hatte er 14.000 Reichsmark als Reichsfluchtsteuer zu leisten.

Im Herbst 1939 verkaufte das Antiquariat V.A. Heck der Albertina diese "größte in Privatbesitz befindliche Plakat-Sammlung" . Für den Rückgabebeirat steht der Verkauf des Konvoluts an das bzw. durch das Antiquariat Heck "in unmittelbarem Zusammenhang mit der Finanzierung der durch die NS-Herrschaft erzwungenen Flucht und den damit verbundenen Abgaben." Der Verkauf sei daher ein nichtiges Rechtsgeschäft.

Die nächste Sitzung des Rückgabebeirats findet am 3. Oktober statt.

Um auch kleinen Museen die Provenienzforschung zu ermöglichen, finanziert das Wissenschaftsministerium im Rahmen seines neuen Förderprogramms for muse auch derartige Projekte mit jeweils bis zu 200.000 Euro. SPÖ-Kulturministerin Claudia Schmied begrüßte die bis 2012 laufende Forschungsinitiative ihres Nachbarn Johannes Hahn (ÖVP). (trenk, DER STANDARD/Printausgabe, 21.06/22.06.2008)