Sidney Poitier befreite Schwarze im Hollywood-Kino von den stereotypen Rollenzuschreibungen der Hausangestellten und Jazzvirtuosen. In den Zeiten als James Dean und Marlon Brando ihre Lederjacken anzogen, hatte das schwarze Amerika in ihm einen eigenen Helden. Aber nicht Verweigerung, sondern Eleganz, Ausstrahlung, Talent und Intellektualität setzten sich in der ungleichen Gesellschaft durch. 1964 erhielt er als erster Schwarzer den Oscar.

Der Tribut, den er dafür zollte, waren Rollen, die vor Moral und Erhabenheit strotzen mussten. Der Film "Rate mal, wer zum Essen kommt" mit Spencer Tracy (sein letzter Film) und Katharine Hepburn, den Arte vor der Doku „Sidney Poitier, ein Outsider in Hollywood“ am Sonntagabend zeigt, nahm sich 1967 des damals heiklen Mischehe-Themas an. Auch hier wird die Verbindung zur großbürgerlichen Tochter durch außergewöhnlichen beruflichen Erfolg von Poitiers Figur gerechtfertigt.

Catherine Arnauds brillante Doku skizziert die Ausnahmekarriere vor dem Hintergrund der schwarzen Bürgerrechtsbewegung vom Montgomery Busboykott bis zu den Black Panthers. Mit der Ohrfeige, die er einem weißen Rassisten verpasst, und der Wut, der er lediglich durch Blick und Stimme Ausdruck verlieh, war Poitiers Spiel in "In der Hitze der Nacht" Balsam auf der Seele der Unterdrückten. (pum/DER STANDARD; Printausgabe, 21./22.6.2008)