Graz/Fohnsdorf - Der Schuldirektor ist erschüttert, will zum Vorfall kein Wort mehr sagen und verweist an den Landesschulrat.

"Es ist momentan ein richtiger Hype", weiß Landesschulratssprecher Michael Samec. Lehrer und Professoren abfilmen sei angesagt, sie in möglichst blöde Situationen bringen, Auszucker dann aufs Handy speichern und das Filmmaterial auf YouTube ins Internet stellen. Es gebe einen richtigen Wettlauf um die besten Lehrer- und Professorenfilme, die offenbar "Happy Slapping" unter Mitschülern - Schüler werden verprügelt und dabei gefilmt - ablösen.

Einer dieser unfreiwilligen Hauptdarsteller, ein Lehrer für bildnerische Erziehung an der Höheren Lehranstalt für Wirtschaftliche Berufe (HLW) Fohnsdorf, ist seit Mitte der Woche nun im Krankenstand. Die "Dreharbeiten" haben ihn dermaßen mitgenommen, dass er eine Auszeit braucht.

Vier Schülerinnen - sie sind alle um die 15 Jahre alt - blieben von den Schullandwoche zu Hause und mussten stattdessen in der Parallelklasse zum Unterricht. Der als durchaus weichherzig charakterisierte Werklehrer war am Mittwoch von den Mädchen als Filmopfer auserkoren worden. Er sollte in Rage kommen. Eine schleuderte ihm eine leere Plastikflasche an den Kopf, eine provozierte, eine bespritzte ihn mit Farbe, und irgendwer fragte nach: "Habts eh alles drauf ?" Eine Schülerin bannte nämlich die Provokationen und physischen Attacken (Fußtritte), bei denen der Lehrer leicht verletzt wurde, aufs Handy, um es später eben ins Internet zu stellen.

Die Situation eskalierte, der Lehrer flüchtete aus dem Klassenzimmer, die Mädchen - offenbar noch immer filmend - hinterher, der schon völlig entnervte Pädagoge schloss sich in ein Zimmer ein. Mit Fäusten hämmerten die Schülerinnen an die Tür. Der Lehrer rief per Handy um Hilfe.

Obzwar die Kollegen die Situation beruhigten, war der geschockte Lehrer nicht in der Lage, selbst zu öffnen. Der Schulwart musste die Tür aushängen, um den Angegriffenen zu befreien.

Der Lehrer zeigte die Attacken der Mädchen bei der Polizei an. Lehrer und Eltern kamen in einer eilig einberufenen Schulkonferenz überein, dass die Mädchen die Schule verlassen müssen.(Walter Müller/DER STANDARD-Printausgabe, 21./22. Juni 2008)