In Österreich ist Leitungswasser an sich das Gegenteil von Erdöl, nämlich gratis. Warum? Weil es so sein muss, weil wir sonst auswandern würden, weil wir uns zwar alles gefallen lassen, aber nicht auch noch Hochquell-Inkasso. Nun, ehrgeizige Wirte probieren es dennoch immer wieder. Lesen sie sich in der Zeitung, dann treten sie leiser. Nach ein paar Jahren starten sie neue Versuche.

Im "Gasthaus zur Post" in Aggsbach in der Wachau kostet ein Glas Wasser 40 Cent – wenn man leichtsinnig genug ist, Kaffee "und ein Glas Wasser" zu bestellen. Ordert man nur Kaffee, kriegt man ein Stamperl Wasser gratis dazu. (Trinkt man fünf Kaffees, erspart man sich 40 Cent.) Im Gasthaus "Neu Brasilien" an der Alten Donau heißt Leitungswasser "Tafelwasser". Das allein rechtfertigt 80 Cent pro Glas. Der Chef des Hauses bedauert: "Gratis-Dienstleistungen können wir uns nicht leisten."

Im "Café Europe" am Wiener Graben verlangen sie für ein Viertel Apfelsaft 2,60 Euro. Lässt man diesen mit Leitungswasser aufspritzen, zahlt man 4,80 Euro (66 Schilling). Das ergibt einen Wasser-Literpreis von 8,80 Euro. (121 Schilling.) Und dann behaupte noch einer, Benzin sei teuer. (dag/DER STANDARD, Printausgabe, 23. Juni 2008)