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Hohe Ölpreise und starker Euro verdüstern die Aussichten der Exportwirtschaft - nicht nur am Hamburger Hafen.

Foto: APA/dpa/Kay Nietfeld
Deutschlands Wirtschaft schrumpft nach Ansicht der Bundesbank. Exporteure leiden unter dem starken Euro, Konsumenten unter der hohen Inflation. Das Geschäftsklima verschlechtert sich.

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Frankfurt/München - Kaum sind die Erfolgsmeldungen über die hervorragende Konjunktur im ersten Quartal des Jahres in Europa verklungen, machen neue Hiobsbotschaften die Runde. Für Aufsehen sorgte am Montag die Deutsche Bundesbank, die in ihrem Monatsbericht von einem Rückgang der deutschen Wirtschaftsleistung im zweiten Quartal 2008 berichtet. Es ist das erste Mal seit 2004, dass die Konjunktur im Vergleich zum vorangegangenen Quartal rückläufig gewesen sei, so die Zentralbank.

Während die Institution mit einer Anziehen der Wirtschaft in der zweiten Jahreshälfte rechnet, wird die Konjunktur von deutschen Geschäftsleuten immer schlechter eingeschätzt. Vor allem der hohe Ölpreis hat die Stimmung in der deutschen Wirtschaft im Juni deutlich gedrückt. Die Unternehmen schätzten sowohl ihre aktuelle Situation als auch die Aussichten schlechter ein als noch im Mai. Der Geschäftsklimaindex sank um 2,2 Punkte auf 101,3 Punkte, den schlechtesten Wert seit Dezember 2005.

Es sei zu hart, die Situation als besorgniserregend zu bezeichnen, sagte IFO-Experte Klaus Abberger. Die hohen Energiekosten machten sich bei den Unternehmen auf zweierlei Art bemerkbar: Zum einen verursachten sie höhere Kosten, zum anderen zögen sie Kaufkraft beim Konsumenten ab.

"Die Wirtschaft ächzt unter den Belastungsfaktoren", erklärte Abberger. Allerdings würden noch keine Stellen abgebaut. Jetzt komme es darauf an, wie gut die Wirtschaft mit den Belastungen zurechtkomme. Dabei könne vor allem eine Beruhigung am Ölmarkt helfen. Mittel- und langfristig sei aber nicht mit sinkenden Ölpreisen zu rechnen.

Auch die Exportwirtschaft schätze ihre Geschäftsaussichten schwächer ein, ergänzte Abberger. Trotz des hohen Euro-Wechselkurses gebe es hier aber keinen Einbruch. Die Finanzkrise sei außerhalb des Bankensektors dagegen eigentlich kaum zu bemerken. Die Europäische Zentralbank (EZB) hat nach Einschätzung des IFO wegen der immer stärkeren Belastung der deutschen Wirtschaft durch den Ölpreis keinen Spielraum für deutliche Zinserhöhungen. Die EZB müsse wegen der aus ihrer Sicht alarmierenden Inflationsdaten einen Warnschuss abgeben, weitere Schritte würden das Wachstum aber abwürgen, sagte Abberger.

Euro sackt ab EZB-Präsident Jean-Claude Trichet hatte zuletzt die Tür für die erste Zinserhöhung seit mehr als einem Jahr weit aufgestoßen. Sie wird für Juli erwartet, die meisten Experten rechnen mit einer Anhebung von 4,0 auf 4,25 Prozent. Laut Analyst Thomas Amend von HSBC Trinkaus wird das die Lage weiter eintrüben. "Wenn die Europäische Zentralbank die Zinsen erhöht, werden viele Investitionsentscheidungen zumindest neu überdacht - und das in einem zunehmend schwächeren Konjunkturumfeld."

Der unerwartet schwache IFO-Index hat am Montag die europäische Gemeinschaftswährung und den deutschen Aktienmarkt unter Druck gesetzt. Der Euro sank auf 1,5486 Dollar, nachdem er am Freitag noch bei 1,56 notiert hatte.

Das Mannheimer Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) sah sich durch die Untersuchung des Ifo bestätigt. Das ZEW hatte in der vergangenen Woche ebenfalls eine negative Konjunkturerwartung veröffentlicht. Für seinen Geschäftsklimaindex wertet das IFO-Institut die Einschätzungen von 7000 Unternehmen in Deutschland aus, für den Konjunkturtest Dienstleistungen werden 2000 Unternehmen befragt.

Besonders die Industrie beurteilte in der IFO-Umfrage ihre Geschäftsperspektiven viel skeptischer als noch zuletzt. Auch der Einzelhandel sei pessimistisch. Die Lebenshaltungskosten stiegen im ersten Quartal stärker als die Löhne, wie das Statistische Bundesamt am Montag mitteilte. Während die Löhne um 2,8 Prozent zulegten, lag die Teuerung bei 2,9 Prozent. (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 24.6.2008)