Wien - Die heimische Industrie und die E-Wirtschaft verstärken ihren Druck für einen möglichst zügigen weiteren Ausbau der Wasserkraft in Österreich. IV-Präsident Veit Sorger betonte am Montag, die heimische Industrie benötige für ihr Wachstum günstigen Strom, und VEÖ-Präsident Leo Windtner verwies auf eine neue Umfrage des Focus-Instituts, wonach 76 Prozent der Bevölkerung den Ausbau des Wasserkraftpotenzials befürworten. Vordringlich sei eine Verkürzung der Genehmigungsverfahren, die derzeit 4 bis 10 Jahre dauern würden.

Laut dem Anfang Mai vorgelegten "Masterplan Wasserkraft" könnte in einem ersten Schritt bis zum Jahr 2020 für 8,4 Mrd. Euro ein Potenzial von 7 Terawattstunden (TWh) realisiert werden, erinnerte der Präsident des Verbandes der Elektrizitätsunternehmen Österreichs. Damit könnte der Anteil erneuerbarer Energien in Österreich von derzeit 23,3 auf 25 Prozent gesteigert werden und der Anteil der Wasserkraft von 58 auf 69 Prozent, "also auf eine Größenordnung, wo wir vor 12 bis 14 Jahren waren", so Windtner, auch Chef der EAG OÖ.

"Renaissance der Wasserkraft"

Sorger sagte weiters, er hoffe auch angesichts der hohen Ölpreise und der Tatsache, dass das "schwarze Gold" eine endliche Ressource sei, auf eine "Renaissance" der Wasserkraft. Der Ölpreis sei seit Anfang 2008 rasant gestiegen. Weitere Fördererhöhungen, wie sie am Wochenende beim Öl-Gipfel in Jeddah in Saudi-Arabien angekündigt wurden, würden zwar etwas Preisdruck wegnehmen, "Öl bleibt aber ein knappes Gut", so der IV-Präsident: "Auch vor dem Hintergrund des steigenden Energiekonsums werden wir die Wasserkraft brauchen - sie ist unerlässlich."

Vom theoretischen Gesamtpotenzial an Wasserkraft in Österreich von 56 TWh (56 Mrd. GWh) sind laut Studie von Pöyry Energy im Auftrag von VEÖ, Wirtschaftsministerium und E-Control in Summe 38 TWh bereits ausgebaut. Von den restlichen 18 TWh könnten - ohne Antasten von Nationalparks wie Hainburg oder Weltkulturerben wie Wachau - 13 TWh wirtschaftlich sinnvoll realisiert werden, davon 7 TWh bis 2020.

Potenzial

Das "technisch-wirtschaftliche Potenzial" von 13 TWh liegt zu einem Großteil (5,3 TWh) in Tirol, gefolgt von der Steiermark (2,1 TWh), Salzburg (1,6 TWh) und Vorarlberg (1,2 TWh); in OÖ und NÖ werden nur 800 bzw. 600 GWh geortet. Mögliche Kraftwerksstandorte wollten am Montag vor Journalisten weder Windtner noch Sorger nennen. Der VEÖ-Präsident wollte sich auch nicht auf konkrete Namen wie etwa Sölktäler oder Kaunertal beziehen, "weil ich nicht Konsenswerber bin". Standorte wie "Hainburg" ins Zentrum zu rücken "wäre taktisch und realpolitisch nicht ein idealer Zugang", so Windtner: "Auch die Zeiten eines 'bevorrangten Wasserausbaus' sind heute vorbei."

Die im Mai vorgelegten Auszüge aus dem "Masterplan Wasserkraft" enthalten als größte Projekte den laut Tiwag-Optionenbericht bis 2015/2020 geplanten Ausbau Kaunertal durch Zubau Taschachtal-Gepatsch (505 MW Leistungssteigerung bzw. 635 GWh Erzeugungssteigerung) sowie die drei ebenfalls schon bekannten Pumpspeicher-Vorhaben Kaprun Limberg II von Verbund AHP (480 MW für 400 Mio. Euro bis 2012), Kopswerk II von Illwerken/VKW mit 450 MW Leistung sowie Reißeck II von Verbund AHP in Kärnten (430 MW für 450 Mio. Euro bis 2014).

Windtner sagte, laut der aktuellen Focus-Umfrage im Auftrag des VEÖ von Juni würden sich 73 Prozent für eine Beschleunigung der langen Genehmigungsverfahren aussprechen. Auf die Frage "Welche Art der Stromerzeugung ist Ihnen am sympathischsten?" hätten 44 Prozent mit "Wasserkraft" geantwortet. An zweite Stelle stehe Windkraft mit 22 Prozent vor Photovoltaik und Geothermie (21 Prozent). (APA)