Wien (APA) - In die laufenden Museumsdebatte kommt offenbar langsam Bewegung, von der nicht nur die Bundesmuseen erfasst werden könnten. Im Wiener Künstlerhaus bestätigt man laufende Kontakte mit Bund, Stadt Wien und verschiedenen Institutionen, bei denen verschiedene Varianten diskutiert werden: Eine künftige Zusammenarbeit des Künstlerhauses mit dem Wien Museum ist ebenso denkbar wie eine Wiederaufnahme der früher guten Beziehungen mit dem Kunsthistorischen Museum, deren designierte Generaldirektorin Sabine Haag sich um rasche Sicherstellung von Sonderausstellungsflächen bemüht. Ebenso möglich scheint der Umzug der Kunsthalle Wien in das Künstlerhaus.

"Wir sind mit allen laufend in Kontakt", bestätigt der derzeit urlaubende Künstlerhaus-Direktor Peter Bogner. "Das Künstlerhaus hat ebenso daran Interesse, den Bundesmuseen Flächen anzubieten wie mit der Stadt Wien Ausstellungen zu machen." Von konkreten Gesprächen will Bogner jedoch noch nicht sprechen, und keinesfalls sei bereits die eine oder die andere Variante fix. Mit dem Wien Museum existiere zwar ein Vorvertrag, doch auch andere Alternativen scheinen denkbar.

Donauplatte oder St. Marx

Den dringenden zusätzlichen Flächenbedarf bekam das Museum moderner Kunst (MUMOK) unlängst sogar von Kulturministerin Claudia Schmied bestätigt, die es in einem internen Papier "vordringlich" nannte, "den begrenzten Raum des Museums für moderne Kunst und damit dessen zukünftigen Aktionsradius zu erweitern". Nach Varianten wie Donauplatte oder St. Marx scheint jetzt entweder eine Einbeziehung des Künstlerhauses ins MUMOK oder eine Übersiedlung der Kunsthalle Wien in das Künstlerhaus überlegt zu werden, wobei das MUMOK die freiwerdenden Museumsquartier-Flächen von der Kunsthalle übernehmen würde.

Letztere Lösung würde schon aus geografischen Gründen mehr Sinn machen. "Diese Lösung wäre hoch intelligent", sagt etwa Wolfgang Zinggl, der Kuratoriumsvorsitzende des MUMOK. "Damit würde die Gesamtausstellungsfläche für Gegenwartskunst erweitert und der Stellenwert des MUMOK erhöht." Außerdem gewänne der Karlsplatz im Zusammenwirken von project space und Künstlerhaus/Kunsthalle auch als Kunstplatz an Attraktivität.

"Ein völliger Unsinn"

Kunsthallen-Leiter Gerald Matt kann dieser Variante allerdings nichts abgewinnen. "Ein völliger Unsinn, eine typische Sommerente", ließ er von einem Auslandsaufenthalt aus wissen. "Einen Standort wechselt man nicht wie Hemden - und uns passt das Hemd. Ohne die Kunsthalle wäre das Museumsquartier ärmer. Wir werden auch in Zukunft der zeitgenössische Stachel im behäbigen Fleisch des Museumsquartiers bleiben", so Matt.

In der Kulturabteilung der Stadt Wien heißt es gegenüber der APA, eine Übersiedlung der Kunsthalle in das Künstlerhaus sei in der Vergangenheit einmal als Idee aufgetaucht, aktuell gebe es dazu allerdings gar nichts Konkretes, schon gar nicht Gespräche auf politischer Ebene. Bereits vor der Errichtung der 1992 eröffneten temporären (und mittlerweile vom kleineren "project space" ersetzten) Kunsthallen-Box von Adolf Krischanitz am Karlsplatz, der 2001 der Wechsel ins Museumsquartier folgte, war eine Anmietung des Künstlerhauses für die Kunsthalle im Gespräch gewesen, jedoch aufgrund zu hoher Kosten fallen gelassen worden.

Übersiedlungswünsche

Gerüchte von einem möglichen Auszug der Kunsthalle Wien aus dem Museumsquartier gab es in den vergangenen Jahren immer wieder, wurden von Matt jedoch immer wieder dementiert. Als "Geschwätz" bezeichnete er etwa 2005 Gerüchte von möglichen Übersiedlungswünschen der Kunsthalle in ein künftiges "Haus der Kulturen" auf der Donauplatte und betonte damals: "Ich glaube nach wie vor an das Museumsquartier. Wir wollen es nicht verlassen, aber verbessern." Vor allem die wenig prominente Lage innerhalb des Museumsquartier-Geländes soll zu schaffen machen.

Zusätzlich zu den bekannten Künstlerhaus-Flächen gibt es durch den U-Bahn-Bau auch Hohlräume, die entsprechend adaptiert zusätzliche Ausstellungsflächen brächten. Bis Ende September will man jedenfalls sowohl im Künstlerhaus als auch im Kulturministerium die Gespräche so weit vorangetrieben haben, dass mit dem Ergebnis der laufenden Museumsdebatte auch eine Raumlösung der Öffentlichkeit präsentiert werden kann. (APA)