Rangun - Acht Wochen nach dem verheerenden Wirbelsturm "Nargis" behindert die burmesische Militärdiktatur nach Angaben internationaler Organisationen weiter die zivile Hilfe für die Opfer. Wie die Organisation für die Verteidigung der Pressefreiheit "Reporter ohne Grenzen" (RSF) am Donnerstag mitteilte, wurde eine Gruppe von Helfern nach ihrer Rückkehr aus dem Katastrophengebiet in Rangun festgenommen. Unter den 17 Festgenommenen sei auch der Herausgeber der Zeitschrift "Myanmar Tribune", Aung Kyaw San, der als Freiwilliger ohne Genehmigung der Behörden bei der Beerdigung von Leichen im besonders betroffenen Irrawaddy-Delta geholfen hatte. Nach RSF-Angaben wurden die Helfer festgenommen, als sie in Rangun weitere Leichensäcke abholen wollten. Fünf von ihnen, darunter der Journalist, würden seit Mitte Juni im berüchtigten Insein-Gefängnis im Norden Ranguns gefangengehalten. Mindestens zehn Journalisten und Internet-Blogger seien inhaftiert.

Mehr als 138.000 Menschen kamen durch "Nargis" ums Leben oder werden vermisst, seit der Zyklon im Mai Teile des Landes verwüstete. Nach UNO-Schätzungen benötigen rund 2,4 Millionen Menschen dringend humanitäre Hilfe. Die Militärjunta unter Generalissimus Than Shwe hat internationalen Medien eine verzerrte Berichterstattung vorgeworfen und zahlreiche ausländische Helfer nicht ins Land gelassen. Das Regime lässt nach einer Untersuchung der Menschenrechtsorganisation Amnesty International auch ausländische Hilfsgüter verschwinden. Amnesty bestätigte Berichte, dass die Junta Zyklon-Opfer aus ihren Zufluchtsstätten vertreibt.

Die Friedensnobelpreisträger Shirin Ebadi und Erzbischof Desmond Tutu, die ehemaligen Präsidenten von Tschechien, Indonesien und den Philippinen, Vaclav Havel, Abdurrahman Wahid und Corazon Aquino, sowie die Hollywoodstars Brad Pitt, George Clooney und Matt Damon haben an die Militärjunta appelliert, mehr Helfer einreisen zu lassen. In einer ganzseitigen Anzeige in der englischsprachigen Tageszeitung "Jakarta Post" riefen sie am Mittwoch die Junta zum Einlenken auf. Während Hunderttausende Menschenleben in Gefahr seien, dürfe die Welt nicht schweigen. (APA/AFP)