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UniCredit Vorstand Alessandro Profumo (li.) und Bank Austria Chef Erich Hampel.

Foto: APA/Schlager
München/Wien - Die italienische Großbank UniCredit zückt den Sparstift und bereitet laut gut informierte Kreisen einen massiven Stellenabbau in Westeuropa vor. In Italien und bei der deutschen Tochter HVB wackeln angeblich tausende Jobs, dem Stellenabbau in Westeuropa soll ein "deutlicher" Aufbau in den Wachstumsmärkten Osteuropas gegenüberstehen.

Um die Sparziele zu erreichen, werden, wie der Standard bereits berichtet hat, Verwaltungsaufgaben ("back office") aus dem Westen in Niedriglohnländer im Osten verlagert; im ersten Schritt nach Polen und Rumänien. Im ersten Halbjahr 2009 wird eine gruppenweite Abwicklungsgesellschaft (in Form einer Société Européenne) gegründet - und zwar für Österreich, Italien, Deutschland, Tschechien, Rumänien und Polen. In diese Gesellschaft bringen die nationalen UniCredit-Töchter ihre jeweiligen Abwicklungstöchter ein. In Österreich ist das Administration Services (AS), eine 100-Prozent-Tochter der Bank Austria mit rund 1500 Mitarbeitern. Laut derzeitigen Plänen könnte die Bank Austria bis Mitte 2010 bis zu 300 Stellen in den Osten verlagern. Aus der Belegschaft kam bereits heftige Kritik.

Mögliche Veränderungen im Vorstand

Bereits Anfang Mai war durchgesickert, dass den UniCredit-Banken ein neuerlicher Personalabbau droht. In der Bank Austria unter Erich Hampels könnte es, hartnäckigen Gerüchten zufolge, auch zu Veränderungen im Vorstand kommen. Der besteht aus acht Mitgliedern, die Rede ist davon, dass man künftig auch mit fünf oder vieren das Auslangen finden könnte. Offiziell wird das (auch unter Hinweis auf aufrechte Vorstandsverträge) dementiert.

Weitere Änderungen soll es beispielsweise auch bei der Steuerung des Retail-Geschäfts Österreich geben, das mit jenem für Deutschland zusammen gelegt werden und, so jedenfalls die Befürchtung in Wien, künftig von Italien aus gelenkt werden könnte.

Pläne werden aufgetaut

Konkrete Pläne dafür gab es bereits, die waren aber wieder auf Eis gelegt worden. Nun sollen sie wieder aufgetaut werden, heißt es. Im Bereich Risiko (Vorstand in der Bank Austria ist der Deutsche Thomas Groß) sind Umstrukturierungen schon im Gange, dem Vernehmen nach soll der Durchgriff von Italien nach Österreich und CEE erleichtert werden.

Auf der Personalseite (rund 800 Leute haben bereits ihre Golden Handshakes bekommen, die dafür vorgesehenen Rückstellungen von mehr als 200 Mio. Euro werden heuer aufgebraucht) hat sich der Kostendruck weiter erhöht, heißt es in der Bank.

Wie es nun wirklich weitergeht, soll nächste Woche verkündet werden - und zwar nach dem Capital Markets Day, heute Donnerstag in Wien stattfindet und anlässlich dessen UniCredit-Chef Alessandro Profumo seine Strategie für die nächsten drei Jahren bekannt geben will. Wie es in der Wiener Bank Austria weitergehen soll, dürften die österreichischen Bankchefs erst in den Tagen danach in Italien erfahren. Wobei ein Plan offenbar wieder ad acta gelegt wurde: Ursprünglich hatte UniCredit nämlich die Idee ventiliert, in Osteuropa (dafür ist ja die Bank Austria unter Hampel im Konzern zuständig) einige Länder zusammenzufassen. Diese so genannte Cluster-Lösung soll inzwischen wieder vom Tisch sein. Hampel war in die entsprechenden Überlegungen angeblich nicht eingebunden.

Radikaler Umbau

Die HVB gehört ebenso wie die Bank Austria seit 2005 zur UniCredit. Seitdem ist sie radikal umgebaut worden. Die einstige Tochter und Ertragsperle Bank Austria (ursprünglich eine Tochter der HVB) wurde nach Mailand abgegeben, dafür wurde die Kompetenz für das Investmentbanking der gesamten Gruppe bei der HVB in München gebündelt. Ende 2005 hatten die Münchner rund 27.300 Mitarbeiter, Ende 2007 waren es nur noch 24.800. (gra/APA/DER STANDARD, Print-Ausgabe, 26.6.2008)