Bern - Der ehemalige UNO-Sonderberichterstatter für das Recht auf Nahrung, Jean Ziegler, teilt die Empörung der internationalen Gemeinschaft über die Situation in Simbabwe. Präsident Robert Mugabe "scheint verrückt geworden zu sein", sagte der Genfer Soziologe, Universitätsprofessor und frühere sozialdemokratische Nationalrat, der Mugabe als Unabhängigkeitsführer lange Zeit bewundert hatte. Oppositionskandidat Morgan Tsvangirai habe Recht, wenn er sich aus der Stichwahl zurückziehe, sagte Ziegler in einem Interview mit dem Westschweizer Magazin "L'Hebdo".

Wahlkampf sei "blutige Farce"

Tsvangirai habe damit den Kampf nicht aufgegeben, wie viele kritisierten, sagte Ziegler. Es sei unmöglich, den Wahlkampf in einer Diktatur weiterzuführen, wo die Oppositionellen massakriert würden. Der Wahlkampf sei zur "blutigen Farce" geworden. Ziegler bekräftigte seine Unterstützung der im Jahr 2000 von Mugabe lancierten Agrarreform, bei der weiße Grundeigentümer enteignet wurden. "In Simbabwe waren 90 Prozent der besten Böden in der Hand von weißen Bauern, während die Bauern ohne Eigentum in riesigen Elendsvierteln um Harare leben mussten", sagte er. Für die Würde des Menschen sei die Reform nützlich gewesen, auch wenn der Staat nicht die Mittel hatte, sie gut durchzuführen. "Das Chaos mündete so in einer Hungersnot, Mugabe wurde paranoid und gelangte in eine Spirale der Unterdrückung", sagte Ziegler.

Er fände es besser, wenn sich Mugabe möglichst bald auf seine Farm zurückziehen würde. Ziegler: "Er hat eine hübsche, junge Frau. Er sollte sich mehr ihr widmen." (APA/sda)