Harare - Trotz des internationalen Drucks hält Simbabwes Staatschef Robert Mugabe an der zweiten Runde der Präsidentenwahl am Freitag fest. Es werde abgestimmt, erklärte Mugabe am Donnerstag. Er wies zugleich afrikanische Bemühungen um eine Entspannung der Krise zurück. Die Lösung müsse von den Simbabwesen selbst gefunden und dürfe nicht von außen aufgezwungen werden, auch nicht von der Afrikanischen Union.

Die regionale Führungsmacht Südafrika hat bis zuletzt mit Mugabe über einen Aufschub der Stichwahl verhandelt, aus der sich Oppositionschef Morgan Tsvangirai wegen systematischer Einschüchterung seiner Anhänger zurückgezogen hat. Tsvangirai, der weiter in der niederländischen Botschaft in Harare ausharrte, warf Mugabe einen selbstzerstörerischen Kurs vor. Aus Angst vor weiterer Gewalt flohen rund 200 Menschen in die südafrikanische Botschaft.

"Wir halten uns an das Gesetz"

"Einige unserer afrikanischen Brüder haben zu einem Aufschub aufgerufen und drängen uns, unsere Verfassung zu verletzen", sagte Mugabe bei einer Wahlkampfveranstaltung in der Oppositionshochburg Chitungwiza südlich der Hauptstadt Harare. "Wir haben uns aber geweigert, dies zu tun. Wir halten uns an das Gesetz." Bei einer Veranstaltung am späten Mittwoch nahe der Grenze zu Mosambik hatte Mugabe sich erneut jegliche Einmischung von außen verbeten. "Wir sind jetzt ein unabhängiges Land und nicht mehr unter britischer Kolonialherrschaft", sagte der 84-Jährige.

Die USA forderten Mugabe auf, das Gesprächsangebot der Opposition über eine legitime Regierung anzunehmen. Dies dürfe aber nicht erst geschehen, nachdem Mugabe sich zum Sieger erklärt habe, betonte US-Außenministerin Condoleezza Rice am Rande eines G-8-Treffens in Japan. "Das wird keine gesetzmäßige Wahl sein, niemand glaubt dies."

Tsvangirai appelliert an Südafrika

Tsvangirai setzte Mugabe für die Gespräche eine Frist: "Es wird keine Verhandlungen mehr geben, wenn Herr Mugabe sich selbst zum Sieger erklärt hat und als Präsident betrachtet." Zugleich richtete er einen dringlichen Appell an Südafrikas Präsidenten Thabo Mbeki, in die Krise umgehend einzugreifen. Er hoffe darauf, dass Mbeki angesichts der Eskalation seine Aufgabe als Vermittler schnell erfülle, sagte Tsvangirai einem TV-Sender.

Tsvangirai, ursprünglich Kandidat der oppositionellen Bewegung für einen demokratischen Wandel (MDC), hatte die erste Runde der Präsidentenwahl Ende März gegen Mugabe gewonnen, verfehlte jedoch die absolute Mehrheit. Sein Name sollte auch bei der Stichwahl auf den Stimmzetteln stehen, da die Wahlbehörden den Rückzug nicht anerkannte. In der britischen BBC sagte Tsvangirai am Donnerstag: "Dieser Mann ist ganz offensichtlich dabei, sich selbst zu zerstören". Mugabe werde am Ende scheitern, auch wenn er den Wahlsieg für sich reklamieren sollte.

80 Oppositionelle getötet

Im Vorfeld des Urnengangs wurden nach MDC-Angaben mehr 80 Anhänger der Opposition getötet. Fast 400 Parteifunktionäre seien seit Ende März festgenommen worden. Der wegen Hochverrats angeklagte MDC-Generalsekretär Tendai Biti wurde am Donnerstag nach knapp zwei Wochen Gefängnis gegen Kaution freigelassen.

Unterdessen forderte die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel die afrikanischen Staaten erneut auf, ihren Einfluss auf das Regime in Simbabwe geltend zu machen. Die Nachbarländer Simbabwes und die führenden Persönlichkeiten Afrikas sollten angesichts der Übergriffe auf Anhänger der Opposition deutlich Position beziehen, sagte Merkel am Donnerstag in Berlin nach einem Treffen mit der Präsidentin Liberias, Ellen Johnson-Sirleaf. "Mit Sorge verfolgen wir die Situation in Simbabwe", sagte Merkel.

Der UNO-Sicherheitsrat habe zwar "mit klaren Worten" die Entwicklung in Simbabwe verurteilt. Doch es komme vor allem auf die Nachbarstaaten an, "ein unmissverständliches Signal" zu geben. Merkel begrüßte den Vorschlag, die Wahlen zu verschieben. Johnson-Sirleaf sagte, die führenden afrikanischen Länder seien bereits aktiv geworden. Es seien Vorschläge für einen Kompromiss zwischen dem autokratisch regierenden Präsidenten und der Opposition unterbreitet worden. Johnson-Sirleaf hält sich während einer zweitägigen Konferenz zur Armutsbekämpfung in ihrem Land bis Freitag in Berlin auf. (APA/Reuters/AFP/dpa)