St. Pölten – Klavierunterricht in Gruppen? In einigen niederösterreichischen Musikschulen bereits Realität, in anderen könnte es noch vor dem Sommer dazu kommen. Der Grund: Der Musikschulbeirat hat einen entsprechenden Entwurf für die Änderung des Musikschulgesetzes vorgelegt. Dieser sieht vor, dass die Zahl der Einzelstunden nicht mehr als 60 Prozent des Musikunterrichts an einer Schule ausmachen darf. Wird mehr Einzelunterricht angeboten, gibt es weniger Landesmusikschulförderung. Bisher galt lediglich eine Empfehlung des Landes. Künftig wird sanktioniert: Niederösterreich streicht zehn Prozent seines Zuschusses, wenn zu viele Einzelstunden abgehalten werden.

Michael Brunthaler, Leiter der Musikschule Wimpassing, ist vehementer Gegner der Änderung des Musikschulplans, "weil sie auf Kosten der Unterrichtsqualität geht" . Außerdem bringe der Entwurf eine Reduktion der Lehrerstellen. Brunthaler kennt mehrere Kollegen, die einer unsicheren Zukunft entgegenblickten. Was ihn zusätzlich ärgert: "Umgekehrt gibt es keine Einschränkung, wie viel Gruppenunterricht es geben darf." Dabei sei beispielsweise Klavierunterricht in Gruppen "Käse" . Er sei strikt dagegen.

Michaela Hahn vom Musikschulmanagement Niederösterreich sagt: "Es steht jedem Musikschulleiter weiterhin offen, ob es bei ihm Klavierunterricht nur in Einzelstunden gibt." Ein Problem mit der Gesetzesänderung hätten laut Hahn nur zehn Prozent der Musikschulen. Alle anderen entsprächen bereits dem Stundenschlüssel. Brunthaler: "Die wenigen Schulen, die noch ordentlich unterrichten, bringt man jetzt auch noch um." Im Land gehe der Trend zu immer größeren Verbänden und "schnellem Massenunterricht" . Ein Gitarrelehrer bestätigt: "Es gibt immer zu wenige Einzelstunden."

Im Ländervergleich liegt Niederösterreich mit 35 Musikschülern pro 1000 Einwohnern mit der Zahl der Musikschüler an zweiter Stelle hinter Vorarlberg. Landeshauptmann Erwin Pröll (VP) bezeichnete das Musikschulwesen in seinem Land kürzlich als "Beet, aus dem noch viel wachsen wird" . Das Land investiere viel, da die Musikschulen "Zukunftswerkstätten" seien. Brunthaler: "Wir haben viele Talente, aber die muss man auch fördern." (spri / DER STANDARD, Print-Ausgabe, 27.6.2008)