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Joachim "Jogi" Löw führt die deutsche Elf ins Finale der EURO.

Foto: Getty/ Hassenstein
Jetzt, da für die Deutschen der EM-Pokal in greifbarer Nähe ist, gibt es für Joachim Löw keinen Zweifel mehr, wer ihn am Sonntag holt: "Wir haben die Siegermentalität", sagt der Trainer der deutschen Mannschaft so selbstbewusst, wie man ihn noch nicht erlebt hat.

Denn egal, wie das Finale endet, eine Gewissheit hat "Jogi" jetzt schon: Er brachte die Deutschen weiter als sein Mentor und Vorgänger Jürgen Klinsmann. Bei der WM 2006 reichte es zu Platz drei, jetzt ist man im schlimmsten Fall schon Zweiter.

Drei Wochen fieberten die Deutschen nicht nur mit ihren "Jungs", sondern auch mit dem Trainer mit und erlebten dabei eine bemerkenswerte Wandlung desselben. Mit diesem Turnier hat sich Löw endgültig aus dem Schatten Klinsmanns gearbeitet. Als "der nette Jogi" oder maximal "der nette Herr Löw" galt der heute 48-Jährige schon zu Beginn seiner Karriere. Der Ministrant aus dem Schwarzwald gehörte als Fußballer (SC Freiburg, VfB Stuttgart, Eintracht Frankfurt) nicht zu den ganz Großen. Später, als Trainer, holte er zwar für Stuttgart den DFB-Pokal und für den FC Tirol den Meistertitel, doch seine Trainer-Engagements dauerten nie lange. Die Wiener Austria behielt ihn etwa nur zehn Monate.

"Es nützt doch nichts, wenn einer mit einer Peitsche herumläuft und nur bestimmt", sagte er einmal fast entschuldigend über seine Nettigkeit. Als Klinsmann dann bei der WM 2006 mit den Deutschen brillierte, galt Löw ein wenig als Pendant zu Derricks Assistent Harry, der immer nur den Wagen holen durfte. Erst später wurde bekannt, dass viele der neuen Trainingsmethoden Löws Idee waren.

"Jogi" ist nicht so beliebt wie Klinsmann, nicht so volksnah wie dessen Vorgänger Rudi Völler. Aber die meisten Deutschen sind mit seiner Arbeit zufrieden. "Höggschde Dischziplin", höchste Disziplin also, fordert Löw von den Spielern und auch von sich selbst.

Während der EURO zeigte der oft so stoische Löw auch Emotionen, rauchte vor Nervosität im Stadion oder drohte die Trainerbank zu zertrümmern, wenn das Zusammenspiel auf dem Rasen wieder einmal nicht klappte. Doch ob Tenero, Basel oder Wien: Die Frisur sitzt immer.

Dass Löw sein Privatleben (verheiratet, keine Kinder) auch wirklich strikt privat hält, verübeln ihm die Medien nicht. Stattdessen beschreiben selbst seriöse Blätter ausführlich seine schicken, weißen, taillierten Hemden. Und der Nachrichtensender n-tv verlieh ihm schon vor Wochen den Titel "schönster Trainer der EM". (Kommentar vob Birgit Baumann, DER STANDARD, Printausgabe, Freitag, 27. Juni 2008)