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Roberto Rosetti zückt Gelb gegen die Türkei. Am Sonntag leitet Rosetti sein erstes Endspiel.

Foto: AP/Frank Augstein
Zwei Herzen schlugen in Roberto Rosettis Brust, als er das Viertelfinal-Aus Italiens im Elfmeterkrimi gegen Spanien am vergangenen Sonntag verfolgte. "Es war kein schöner Tag für mich", sollte er später sagen. "Schließlich bin ich seit meiner Kindheit einer der größten Fans der italienischen Nationalmannschaft. Ich hätte das Team gerne im Finale gesehen." Aber just das Ausscheiden Italiens machte es der UEFA erst möglich, ihn zum Schiedsrichter des EURO-Finales am Sonntag zu küren. Das Gebot der Objektivität ließe anderes nun einmal nicht zu.

Anpfiff und Abpfiff

Rosetti hat bereits das Eröffnungsspiel am 7. Juni zwischen der Schweiz und Tschechien (0:1) souverän geleitet. Er pfiff quasi die EURO in Basel an. Und er pfeift sie in Wien auch ab. Die Endspielnominierung ist gleichsam sein Ritterschlag. "Schiedsrichter zu sein ist alles für mich. Deshalb ist das EM-Finale eine wundervolle Sache", kann sich der Italiener dann doch über seinen Karrierehöhepunkt freuen. Der Senkrechtstarter war zwar bereits bei Champions-League-Spielen und der WM 2006 in Deutschland im Einsatz. Ein Endspiel hatte er vor dieser EURO aber noch nicht gepfiffen.

Gute "Neben"-Einnahmen

Insgesamt wird der 40-Jährige vier Spiele bei der EURO geleitet haben, so viele wie kein anderer. Das bringt ihm 40.000 Euro (plus Taggelder) ein. Von einem bloß netten Nebenverdienst zu seinem Job als Turiner Krankenhausdirektor kann man da nicht mehr sprechen. Der Sohn einer kroatischen Mutter und eines italienischen Vaters legt dennoch mehr Wert auf seine Reputation. "Wichtig ist der Respekt, der mir von Spielern und Trainern entgegengebracht wird. Man kann mir sagen, dass ich einen Fehler gemacht habe. Aber der Respekt vor dem Menschen muss bleiben."

Selbstachtung ist meist der Grund, der junge Menschen davon abhält, eine Schiedsrichterlaufbahn einzuschlagen. "Schiri, wir wissen, wo dein Auto steht" ist noch das Freundlichste, das Referees in den Unterklassen von den Tribünen zu hören bekommen.

Schiri-Mangel

In Österreich fehlen rund 1000 Schiedsrichter und Assistenten, um den Spielbetrieb von mehr als 2300 Vereinen aufrechtzuerhalten. Der Österreichische Fußball-Bund (ÖFB) versuchte Anfang März, diesen Mangel mit der Imagekampagne "Karriere mit Pfiff" zu beheben. Mehr als 1000 Interessierte haben sich gemeldet. Wie vielen es davon tatsächlich ernst ist, bleibt abzuwarten.

Im Anforderungsprofil kommt das Wort "männlich" dezidiert nicht vor. Die Kärntnerin Tanja Schett (33) etwa hat sich ihren Weg durch Unterklasse-Fußballspiele erfolgreich gebahnt und leitete Anfang April ihr erstes Match der zweithöchsten österreichischen Spielklasse (Red Zac Erste Liga). (David Krutzler, DER STANDARD, Printausgabe, 28./29.6.2008)