Wien – Während die Staatsanwaltschaft gegen den Anästhesisten Michael Zimpfer noch ermittelt, wurde er bei einer außerordentlichen Versammlung des Rudolfinervereins am Dienstagabend bereits abberufen. Dieses "besorgniserregende Resultat" sei zu erwarten gewesen, sagte Zimpfer unmittelbar danach zum Standard. Seit Monaten seien Intrigen gegen ihn geführt worden. Einen möglichen Nachfolger gibt es bereits: den Onkologen Josef Schwarzmeier, der auch schon Mitglied des Vereinsausschusses ist. "Ich bin bereit, den Verein interimistisch zu führen" , sagte Schwarzmeier.

Zimpfers Vize, Otto Hartig, war bereits mit 30. Juni zurückgetreten. Seine Abberufung war in der Sitzung am Dienstagabend "nur noch eine Formalie" , sagte Vereinsmitglied Andreas Conrad-Billroth. Hartig war 33 Jahre lang Mitglied des Präsidiums. Die Gründe für seinen Rücktritt schilderte der Jurist den Vereinsmitgliedern in einem Brief, der dem Standard vorliegt: Hartig sei in Abwesenheit Zimpfers dazu gedrängt worden, eine "rechtswidrige" Entscheidung zu treffen. Nachdem er das abgelehnt habe, sei ein Antrag gestellt worden, seine Abberufung auf die Tagesordnung der nächsten Versammlung zu setzen. Grund: "Begründeter Vertrauensverlust".

"Profilierungssucht"

Für Hartig beweise diese Vorgehensweise, dass für jene hinter der Taktik steckende Gruppe "Begriffe wie Recht, Ordnung und Korrektheit unbekannte Fremdwörter sind" . Die Aktion sei beispielhaft dafür, wie sich eine "kleine Gruppe von Mitgliedern" aus "Eitelkeit und Profilierungssucht inakzeptabel benehme" . Einige Mitglieder hätten nach Erhalt des Briefes versucht, Hartig zum Bleiben zu bewegen, erzählt der ehemalige Richter. Zu dem Konflikt zwischen den von ihm kritisierten Akteuren und Zimpfer wollte Hartig nur so viel sagen: "Man muss auch den anderen Teil anhören."

Die Staatsanwaltschaft Wien ermittelt gegen Zimpfer wegen des Verdachts der Körperverletzung und des gewerbsmäßigen Betrugs. Vor drei Monaten hatte Rechtsanwalt Eric Agstner eine Anzeige eingebracht. Der Jurist ist auch der Anwalt von Conrad-Billroth, einem der Erzfeinde des bekannten Anästhesisten im Verein. Zimpfer hat in einem Schreiben an die Staatsanwaltschaft dargelegt, dass er keinen der Patienten, die er "unsachgemäß" behandelt haben soll, operiert habe. Er glaubt, dass der Beginn der Ermittlungen gegen ihn so knapp vor der Generalversammlung "kein Zufall" sei.

Nicht nur die "Watschenaffäre" im privaten Kreis vor einem halben Jahr brachte Zimpfer im Verein in Misskredit. Auch seine Zukunftsvisionen für das Rudolfinerhaus stießen auf Widerstand. Zimpfer wollte die Immobilie des Rudolfinerhauses verkaufen und mithilfe von Investoren einen neuen Trakt bauen. Die Einrichtung einer Privat-Uni und einer "Krankenhaus-Kette" waren für ihn ebenso denkbar. Zimpfers – zumindest interimistischer – Nachfolger lehnt diese Pläne als "übertrieben" ab. (Gudrun Springer/DER STANDARD, Printausgabe, 2.7.2008)