Der Austausch der Frauenministerin gibt Anlass für eine familienpolitische Zwischenbilanz der großen Koalition. Insbesondere zwei aufeinander abgestimmte Reformmaßnahmen zur Vereinbarkeit von Familie und Beruf wurden initiiert: erstens die Einführung eines neuen Kinderbetreuungsgeld-Modells, wonach dieses jeweils bis zu 18, 24 oder 36 Monaten gewährt werden kann. Da die monatliche Leistung umso höher ist, je kürzer die gesamte Bezugsdauer ist, werden Anreize für einen schnelleren Wiedereinstieg in den Beruf gesetzt. Zweitens gibt der Bund den Ländern in den Jahren 2008 bis 2010 eine jährliche Anstoßfinanzierung von zwanzig Mrd. Euro für den Ausbau der Kinderbetreuung, die diese verdoppeln müssen. Die Ausweitung der derzeit vor allem für Kleinkinder defizitären Betreuungsinfrastruktur ist unabdingbare Voraussetzung für eine rasche Wiederaufnahme der Erwerbstätigkeit. So zeigen erste Erfahrungen mit dem neuen Betreuungsgeld-Modell, dass in Wien, wo ein gut ausgebautes Betreuungsangebot existiert, über vierzig Prozent der Eltern die Kurzzeitvarianten in Anspruch nehmen. Wesentlich weniger sind es dagegen in den westlichen Bundesländern, mit ihrem unzureichenden Angebot an Betreuungsplätzen vor allem für die Unter-Zweijährigen. Die jüngsten Reformen sind Ausdruck einer begrüßenswerten Orientierung hin zu einer modernen Familienpolitik. Dennoch wird auch die neue Frauenministerin noch ausreichend familienpolitischen Reformbedarf vorfinden: Vor allem deshalb, weil die Zielgruppe, für die eine ausgewogenere Work-Family-Balance erreicht werden soll, nach wie vor primär die Mütter sind. Zwar enthält das Betreuungsgeld neue Anreize für eine Beteiligung der Väter an der Karenz: Die jeweils maximale Bezugsdauer kann nur dann ausgeschöpft werden, wenn auch der zweite Elternteil einige Monate in Karenz geht.Dennoch ist kaum zu erwarten, dass sich dadurch die Aufteilung der Karenzzeit zwischen Müttern und Vätern – derzeit sind unter fünf Prozent der Betreuungsgeldbezieher männlich – sprunghaft verschiebt. Das Betreuungsgeld ist eine vom vorherigen Einkommen unabhängige Ersatzleistung von maximal (in der kürzesten Bezugsvariante) 800 Euro pro Monat. Weil die Väter im Durchschnitt mehr verdienen als die Mütter, ist ein längerer Ausstieg als die obligaten drei bis sechs Monate finanziell unattraktiv, nicht selten einfach nicht leistbar.