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ÖBB-Postenbesetzungen sind wie Bahnübergänge: Sie können gefährlich sein und mancher bleibt auf der Strecke.

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Wien - Die zahlreichen Postenbesetzungen in diversen ÖBB-Gesellschaften gehen bei weitem nicht so glatt über die Bühne wie geplant. Im Personenverkehr wurde das dritte Vorstandsmandat (für Produktion) am Mittwoch überraschend doch nicht besetzt, weil sich die Koalition und damit der Aufsichtsrat zwischen zwei Eisenbahnern nicht einigen konnte. Das wurde dem Standard aus hohen ÖBB-Kreisen bestätigt.

Die Fronten verlaufen dabei alles andere denn (politisch) geradlinig: Der für die Bestellung zuständige ÖBB-Holding-Vorstandssprecher Peter Klugar versucht sich heraus- und eine voreilige Zusage von Ex-ÖBB-Chef Martin Huber einzuhalten und plädiert daher, wie die schwarze Reichshälfte auch, für Franz Seiser, Geschäftsführer der Technischen Services. Der teils rot durchsetzte Rest der Kontrollore hingegen will neben Gabriele Lutter und Josef Halbmayr den Nahverkehrschef der Ostregion sitzen sehen, Werner Kovarik.

Betriebsausflug

Um doch noch zu einem Kompromiss zu kommen, findet nun am 1. Juli eine Art Betriebsausflug statt: Die Personenverkehr AG pilgert auf den Wienerberg und hält mit der ÖBB-Holding eine gemeinsame Aufsichtsratssitzung ab.

Damit ist klar: Die vom Rechnungshof scharf kritisierte schlechte Tradition wird fortgesetzt und der nichtzuständige Holding-Aufsichtsrat greift direkt in Agenden von Personenverkehr-Aufsichtsrat und Holding-Vorstand ein, was Aktienrecht wie ÖBB-Strukturgesetz widerspricht, wie der RH meint. Ähnlich lief übrigens vor einem Jahr die Bestellung Lutters und Halbmayrs ab.

Nachsitzen dieser Art muss auch der Aufsichtsrat der ÖBB-Infrastruktur-Bau-AG, allerdings erst im Spätsommer. Unter Hinweis auf bis Jahresende 2008 laufende Vorstandsverträge wurde die Nachbesetzung der beiden am 15. März ausgeschriebenen Vorstandsmandate am Donnerstag vertagt.

Ob das hilft, bleibt abzuwarten, denn die Situation ist grundsätzlich verworren wie in Personenverkehr und Holding. Rot und Schwarz feilschen um Nachfolger für Finanzvorstand Gilbert Trattner und den bereits 2006 verabschiedeten Alfred Zimmermann, sagten Kapitalvertreter aus ÖBB-Aufsichtsräten nach der Sitzung. Und so könnte kommen, was bisher als undenkbar galt: Dass Ex-FPÖ-Bundesgeschäftsführer Trattner für weitere drei bis fünf Jahre Vorstandsdirektor für Finanzen und Immobilien bleibt.

Fachliche Qualifikation sekundär

Trattner würde die ÖVP eher akzeptieren, als dass ein deklarierter Roter über die wichtigsten Investitions- und Refinanzierungsmaßnahmen in der Bahn wache, beklagen sogar der schwarzen Reichshälfte zugehörige ÖBB-Kontrollore. Fachliche Qualifikation sei sekundär. Das verwundert nicht, geht es doch um Milliardenanleihen und -finanzierungen, die Österreichs Banken für sich reklamieren. Das erklärt auch den ausgeprägten ÖVP-Wunsch nach inländischen Bankern für Holding und Infra-Bau als Ersatz für Trattner und Holding-Finanzchef Erich Söllinger (der wegen der Swap-Deals gehen muss).

Die nun ausgebrochene Regierungskrise macht es nicht einfacher. Als fix gilt in der ÖBB-Infra-Bau nur, dass Georg-Michael Vavrovskys (Bahnneubau) bis Dezember 2008 laufendes Mandat verlängert wird. Und: dass Andreas Matthä in den Infra-Bau-Vorstand aufrücken soll, wo der ÖBB-Planungs- und Controlling-Chef für Anlagenbaumanagement und Instandhaltung zuständig sein wird.

In der Infra-Bau-Tochter ÖBB-Immobilien gilt Claus Stadler, bisher Prokurist und rechte Hand der zu Raiffeisen wechselnden Immo-Chefin Michaela Steinacker, als Fixstarter für die Geschäftsführung. Der zweite Mann wird aus fünf Bewerbern gewählt, die am Freitag das Hearing absolvierten.

"Schwierig wie Zangengeburten"

Da bereits die Stellenbesetzungen in den operativen ÖBB-Töchtern "schwierig wie Zangengeburten" ablaufen, gehen Beobachter nun davon aus, dass auch Söllingers Nachfolger als Holding-Finanzchef nicht, wie angestrebt, am 1. Juli bestellt wird, sondern "irgendwann im Sommer". Es fehle an geeigneten Kandidaten (externe wollen sich politischen Kuhhändeln nicht aussetzen) und interne Bewerber hätten gegenüber den von Infra-Bau-Aufsichtsratschef Eduard Saxinger favorisierten CVern schlechte Karten, schildern Involvierte die mehr als verfahrene Situation in der Bahn.

Für den Holding-Finanzchef werden zwei Namen lanciert: Thomas Necker, Ex-ÖBBler und zuletzt bei den Berliner Verkehrsbetrieben wohlgelitten, und Johannes Seiringer von der Investkredit. Neckers Problem: Er ist kein Finanzer, dafür aber Mitglied derselben CV-Verbindung (Franco Bavaria) wie Landeshauptmann Erwin Pröll. (Luise Ungerboeck, DER STANDARD; Print-Ausgabe, 28./29.6.2008)