Noch vor ein paar Monaten waren afrikanische Politiker bereit, einen EU-Gipfel zu boykottieren, wenn Simbabwes Staatschef Robert Mugabe ausgeladen wird. Nun haben sich die meisten von ihm abgewandt. Selbst in jenen Länder, die sich durch ihre Geschichte der Befreiungsbewegungen verbunden fühlen, wird Mugabe zunehmend entzaubert. Nur Namibias Swapo und Südafrikas ANC unterstützen noch Mugabes Zanu-Pf. Andere Staaten haben verstanden, dass die Krise in Simbabwe zu einer afrikanischen Krise geworden ist und die Handlungsfähigkeit der afrikanischen Institutionen auf dem Spiel steht.

Die Maßnahmen, die die Afrikanische Union (AU) ergreifen soll, sind aber unklar. Wirtschaftssanktionen werden wenig helfen, denn gehungert wird schon seit langem in Simbabwe. Der südafrikanische Friedensnobelpreisträger Desmond Tutu schlägt vor, das Wahlergebnis nicht anzuerkennen und UN-Truppen nach Simbabwe zu entsenden. Prinzipiell hat auch die AU das Recht, in Mitgliedstaaten zu intervenieren, wenn es zu Kriegsverbrechen, Genozid und Verbrechen gegen die Menschlichkeit kommt. AU-Truppen sind in Darfur und Somalia stationiert.

Die afrikanischen Staaten könnten aber zumindest mit Einreiseverboten gegen Mugabe reagieren und ihre Botschafter abziehen. Oder Simbabwe aus Organisationen wie der Südafrikanischen Entwicklungsgemeinschaft (SADC) und der AU ausschließen. Nach Artikel 30 der Gründungsakte der AU ist das legitim, wenn eine Regierung durch "verfassungswidrige Mittel" an die Macht kommt. Und diese Bedingung hat Mugabe durch die Wahlfarce spielend erfüllt. (DER STANDARD Printausgabe, 30.6.2008)