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Mit Ende der EURO tritt UEFA-Boss Michel Platini (rechts) in den Hintergrund und Joseph Blatter, der Präsident der FIFA, in den Vordergrund. Schließlich naht die WM in Südafrika.

Foto: REUTERS/Thierry Roge
Wien - "Wir werden alles Erdenkliche tun, um die EM in Polen und der Ukraine austragen zu können - und mehr als das", versprach UEFA-Präsident Michel Platini anlässlich seiner Bilanz-Pressekonferenz in Wien. "Aber wenn es in den Hauptstädten der Länder keine Stadien gibt, dann findet die EM dort nicht statt", sagte der Franzose auch. Schon am Mittwoch bricht der 53-Jährige zu einer zweitägigen Inspektionsreise nach Warschau und Kiew auf. "Ich habe Dossiers in verschiedenen Farben mit mir, in denen alle Probleme aufgelistet sind. Und diese Dossiers sind nicht dünn. Ich werde größere Kopfschmerzen wegen Polen und der Ukraine haben als wegen des Weingenusses."

Erst kürzlich hat das Sportministerium der Ukraine die Zusammenarbeit mit einer taiwanesischen Firma, die für die Renovierung der Stadien zuständig war, gekündigt. Der Auftrag soll neu ausgeschrieben werden. In Polen herrscht dagegen extreme EM-Skepsis. Bei einer Umfrage waren mehr als drei Viertel der Überzeugung, dass Polen nicht in der Lage ist, die Endrunde in vier Jahren auszurichten.

Übernahmekandidaten

Platini bestritt, dass mit dem spanischen Verband bereits über eine Übernahme der EM 2012 verhandelt worden sei. Gesprächsthema war die Sache allerdings sicher. DFB-Präsident Theo Zwanziger sah sich jedenfalls genötigt, eine Übernahme durch Deutschland auszuschließen. Man habe ja vor zwei Jahren eine schöne WM gehabt und solle im Fall des Falles Länder wie Spanien oder Italien zum Zug kommen lassen.

Österreich und die Schweiz scheiden als Einspringer in jedem Fall aus - trotz des dicken Lobes, das Platini den Gastgebern aussprach. "Sie sehen einen Präsidenten, der glücklich ist. Ich danke allen für ein wunderbares Turnier." Die friedlichen, freundlichen, feiernden Fans in den Stadien, den Städten und den Fanzonen hätten ihn besonders beeindruckt. Negative Erlebnisse hatte der Präsident nicht: "Selbst die Fragen der Journalisten waren schön."

Belohnte Offensive

Die UEFA habe die Aufgabe, die Menschen glücklich zu machen. Die Spieler hätten dem Spiel gedient, hätten das Image des Fußballs gestärkt. "Darauf bin ich stolz." Taktisch merkte Platini an, dass Mannschaften, die mit dem Ziel angetreten sind, nicht zu verlieren, verloren haben: "Wir schützen inzwischen die Spieler so gut wir können. Jedes Team kann jetzt nach vorne spielen. Alle Mannschaften, die Fußball mit einer positiven Einstellung gespielt haben, haben gewonnen."

Platini schloss auch für die Zukunft Endrunden mit zwei Gastgebern nicht aus, allerdings soll die Mindestkapazität der Stadien von 30.000 auf 35.000 Zuseher angehoben werden. "40.000 ist für kleine Länder im Blick auf die spätere Nutzung vielleicht zu groß."

Die geringen Stadienkapazitäten in Österreich und der Schweiz haben sich auf den Gewinn der UEFA vermutlich nicht ausgewirkt. Der beträgt bei Gesamtkosten von 1,3 Milliarden rund 700 Millionen Euro. Weitere Steigerungen sind natürlich immer möglich, vielleicht hilft auch die Aufstockung des Teilnehmerfeldes. Schon bei der nächsten Sitzung des UEFA-Exekutivkomitees am 25./26. September in Bordeaux dürfte beschlossen werden, dass ab der Endrunde 2016 24 statt 16 Mannschaft mitspielen.

"Ich denke, dass Länder wie England, Dänemark, Belgien, Bulgarien und andere die Qualität einer EM durchaus verbessern können", sagte Platini. Noch am Samstag tagten die Generalsekretäre und Präsidenten der 53 Mitgliedsverbände und votierten einstimmig für die Aufstockung. (DER STANDARD, Printausgabe, Montag, 30. Juni 2008, sid, red)