Wien – Der Verein gegen Tierfabriken (VGT) erhebt nun schwere Vorwürfe gegen die Staatsanwaltschaft Wiener Neustadt. Konkret geht es um den Brand einer Jagdhütte, den laut Anklage der inhaftierte VGT-Obmann Martin Balluch gelegt haben soll. Der VGT bezeichnet die Brandstiftung als "konstruiert". Vom Brandsachverständigen werde nämlich als "wahrscheinliche" Ursache des Feuers "eine Überhitzung des nicht gegen die Holzwand isolierten Ofens" bezeichnet, hieß es am Montag in einer Aussendung der Tierschützer. Auch ein Jäger soll in einem Schreiben an eine Versicherung festgehalten haben, dass die Brandursache nicht Fremdverschulden sei.

Balluch sei zwar tatsächlich im Jagdgebiet gewesen, um illegale Fasanerien zu dokumentieren. Der angebliche Tatzeitpunkt sei laut VGT aber "absichtlich verlängert" worden, da die Hütte am 11. November 2007 gebrannt habe, Balluch aber nachweislich am 13. November im Jagdgebiet gewesen sei.

Laut Staatsanwaltschaft Wiener Neustadt sind die Erhebungen in der Tierschützer-Causa noch nicht abgeschlossen. Zu einzelnen Vorwürfen könne man "keinen Kommentar" abgeben. Nur so viel: "Von der Staatsanwaltschaft wird nichts erfunden", so Mediensprecher Erich Habitzl. Der Obmann des VGT ist einer von zehn Tierschützern, die sich seit fast sechs Wochen in U-Haft befinden. Die Verteidigung hat erst jetzt konkrete Vorwürfe gegen einzelne Inhaftierte erfahren. Bisher verwehrte die Staatsanwaltschaft Wiener Neustadt die Einsicht in bestimmte Akten – mit der Begründung, die Ermittlungen sonst zu gefährden. In den nächsten Tagen wird eine Entscheidung über die Haftbeschwerden und darüber, ob die Hausdurchsuchungen gerechtfertigt gewesen sind, erwartet. Laut VGT gebe es bereits eine Stellungnahme, in der das "gewaltsame" Öffnen der Wohnungstüren als "rechtswidrig" erachtet werde. Ein Sprecher der Oberstaatsanwaltschaft sagte, es sei noch keine Entscheidung darüber erfolgt.

Wal-Schützer in Haft

Auch an der Inhaftierung anderer Tierschützer übten Aktivisten am Montag heftige Kritik: Greenpeace-Mitglieder protestierten im Rahmen einer internationalen Aktion vor der japanischen Botschaft in Wien gegen die Inhaftierung zweier Vereinskollegen aus Japan. Sie sollen im Mai illegalen Handel mit Walfleisch unter dem Deckmantel der Wissenschaft aufgedeckt haben und dann verhaftet worden sein. (Gudrun Springer, DER STANDARD - Printausgabe, 1. Juli 2008)